In der vergangenen Woche ist es in Schwedens Hauptstadt Stockholm, in der die Europameisterschaften der Leichtathleten entschieden wurden, zu einer eigenartigen und bezeichnenden Demonstration der deutschen „Schlachtenbummler“ gekommen, die diesmal anders als bei den Fußball-Weltmeisterschaften aufgenommen wurde.

Obwohl man sich auf eine gemeinsame deutsche Mannschaft, eine gemeinsame Kleidung und auch eine gemeinsame Führung geeinigt hatte, kam es in der Frage der Nationalhymne die traditionsgemäß bei der Siegerehrung gespielt wird, zu einem schweren Zerwürfnis unter den Funktionären. Die Sportmanager der „DDR“ bestanden auf ihrer Becher-Kantate, so daß die Bundesrepublikaner naturgemäß das Deutschlandlied proponieren mußten. Die entsprechenden Hymnen sollten jeweils bei dem Siege eines sowjetzonalen, beziehungsweise eines westdeutschen Sportlers erklingen. Davon aber wollten die Herren des Internationalen Leichtathletik-Verbandes und des Organisationskomitees nichts wissen. Sie bestanden auf einer gemeinsamen Hymne und verwiesen auf den in Melbourne geübten Brauch, die Beethovensche Melodie aus der IX. Sinfonie aus Schillers „Freude, schöner Götterfunken“ erklingen zu lassen.

Doch das kam diesmal zur allgemeinen Überraschung für die Herren aus Pankow nicht in Frage; So ertönten schließlich par ordre de moufti bei der Ehrung eines deutschen Siegers (was erfreulicherweise häufiger vorkam) lediglich einige Fanfarenstöße, die allmählich den deutschen Zuschauern so auf die Nerven gingen, daß sie zur Selbsthilfe griffen.

In dem Augenblick, da das schwarz-rot-goldene Banner (das beiden Teilen Deutschlands noch gemeinsam ist) am Flaggenmast hochging, intonierten sie die dritte Strophe des Deutschlandliedes und sangen, egal, ob ein mitteldeutscher oder ein westdeutscher Sieger auf dem Podium stand, ihr Bekenntnis zu einem Deutschland in Einigkeit und Recht und Freiheit in das alte Olympiastadion von 1912 hinaus. Schwedens König ehrte diese Kundgebung sichtbar dadurch, daß er bis zum letzten Ton des Liedes entblößten Hauptes stehenblieb. Den Marionetten des Ostens aber verschlug es den Atem – ihr oberster Boß, Rudi Reichert, packte seine Koffer und reiste vorzeitig nach Pankow zurück, w. f. k.