De Gaulle in Afrika: Wer will, der kann ...

A. M., Paris, im August

Als de Gaulle in Paris vor dem „Verfassungs-Konsultativkomitee“ ausrief, die Überseeischen Territorien hätten zu wählen: entweder „Bundesstaat“ oder Entlassung in die Freiheit, da hielt man das für eine bloße boutade. Daß sein erregter Ausruf aber mehr als bloß ein Temperamentsausbruch war, hat bereits der erste Tag der Propaganda-Tournee bewiesen, die de Gaulle durch die französischen Gebiete Afrikas unternimmt. Schon in Madagaskar hat er ausdrücklich wiederholt, daß er bereit sei, noch vor Ende dieses Jahres jedes afrikanische Territorium (wobei Algerien natürlich nicht mitgemeint war) in die völlige Unabhängigkeit zu entlassen, falls dies gewünscht werde.

Wie konnte de Gaulle so etwas äußern, ohne in Frankreich einen Sturm der Entrüstung zu entfachen? Darf er, der General, sich Dinge erlauben, die einem andern, etwa Mendès-France, sofort als „Verrat“ ausgelegt würden? Oder ist jeder Franzose überzeugt, daß von dem Angebot kein Gebrauch gemacht werde?

Nun, es liegt vor allem daran, daß sich in Frankreich mehr und mehr eine neue Art von Antikolonialismus ausbreitet – neu, weil sie sich von dem moralisch unterbauten Antikolonialismus der humanitären Linken grundsätzlich unterscheidet. Es handelt sich hier um einen „Antikolonialismus der Rechten“, dem man auch, nach einer sensationellen Reportage-Serie des französischen Starjournalisten Raymond Cartier im „Paris Match“ von August 1956, den Spitznamen Cartierismus angehängt hat. Ein dritter – und besserer – Name ist „Metropolismus“, und dies führt auf den Kern der Sache.

‚,...dann gehen wir eben!“

Die Wirtschaftskreise, die hinter dieser Strömung des Metropolimus stehen, sind der Meinung, daß das Mutterland (Metropolis) längst eine der wirtschaftlich stärksten Mächte Europas wäre, wenn es nicht den Bleiklotz der wirtschaftlich unrentablen Kolonialgebiete mit sich schleppen müßte.