Rund 500 Mill. DM will die Preußische Elektrizitäts-AG, Hannover (Preußenelektra), von 1958 bis 1962 investieren. 493 Mill. DM sind von der Währungsreform bis einschl. 1957 investiert worden. Die beabsichtigte Kapazitätsausweitung um etwa 120 000 Kilowatt im Jahresdurchschnitt von 1958 bis 1962 bezieht sich sämtlich auf sogenannte „klassische“ Kraftwerke. Es in jedoch nicht ausgeschlossen, daß innerhalb der nächsten fünf Jahre auch schon das erste Kernkraftwerk Norddeutschlands in der Größenordnung von 100 000 bis 150 000 Kilowatt entstehen wird. Die „Studiengesellschaft für Kernkraftwerke GmbH“ Hannover, wird voraussichtlich in nächster Zeit den Konstruktionsauftrag auf ein solches Kraftwerk vergeben (an dieser „Studiengesellschaft“ ist die Preußenelektra beteiligt, daneben die „Nordwestdeutsche Kraftwerke AG“ Hamburg, die „Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG“, die „Hamburgische Electricitäts-Werke AG“, die „Bewag“ und die „Elektrowerke AG“).

Mit der bevorstehenden Vergabe des Konstruktionsauftrages ist jedoch noch nicht entschieden, ob nun wirklich in etwa fünf bis sechs Jahren irgendwo in Norddeutschland (die Fachleute scheinen schon einen bestimmten Standort im Auge zu haben) ein Kernkraftwerk Energie für Industrie und Haushalt produzieren wird. Erst nach Abschluß der auf zwei Jahre Dauer und sechs bis sieben Mill. DM Kosten veranschlagten Projektierungs- und Entwicklungsarbeiten wollen die Fachleute entscheiden, ob das Projekt wirtschaftlich zu vertreten sei und verwirklicht werden solle. Preußenelektra-Vorstandsmitglied Kurt Hoffmann sagte auf einer Pressebesprechung in Hannover, bisher sei noch nirgendwo bewiesen, daß Kernkraftwerke heute schon mit wirtschaftlichem Vorteil eingesetzt werden könnten.

Bemerkenswert ist, daß davon ausgegangen wird, Vorbereitung und Bau des Kernkraftwerkes deutschen Firmen zu übertragen. Noch vor einigen Jahren glaubte man, für solche Aufgaben nur amerikanische oder britische Firmen heranziehen zu müssen.

Die Konjunkturberuhigung 1957 wirkt sich auch in der Zuwachsrate des Stromabsatzes aus, sie betrug im Versorgungsgebiet der Preußenelektra und der mit ihr im Verbund arbeitenden Tochtergesellschaft „Nordwestdeutsche Kraftwerke AG“ Hamburg nur 6,6 v. H. Das entspricht etwa dem erwarteten langjährigen Mittelwert von gut 7 v. H. (In den ersten sechs Monaten 1958 ist allerdings die Zuwachsrate beträchtlich auf 9 v. H. gestiegen.) Die Zuwachsrate von 6,6 v. H. 1957 erhöht sich allerdings durch Lieferungen an benachbarte Werke auf 8,6 v. H. In etwa der gleichen Größenordnung bewegte sich auch die Umsatzsteigerung der Preußenelektra (einschl. Tochterges. mit einer Beteiligung von mind. 50 v. H.), nämlich von 579,8 auf 633,8 Mill. DM. Der Jahresertrag (gemäß § 132, II/l Aktiengesetz) nahm dagegen effektiv um rund 13 v.H. (14,5 Mill. DM) auf 125,1 Mill. DM zu. Diese stärkere Zunahme des Ertrags als die des Stromabsatzes und Umsatzes läßt Rationalisierungserfolge erkennen.

Der Aufwand für Steuern von Einkommen, Ertrag und Vermögen lag mit 31,9 Mill. DM wesentlich über dem Betrag des Vorjahres von 24,9 Mill. DM Die Erträge aus Beteiligungen stiegen um 1,4 auf 12 Mill. DM, hauptsächlich durch höhere Dividendenausschüttungen verschiedener Tochter- und Beteiligungsgesellschaften. Die Rückstellungen erhöhten sich von 56,4 auf 64,4 Mill. DM und entfallen nach Angaben des Geschäftsberichts mit rd. 45 Mill. DM auf Steuern. Die ungewöhnliche Steigerung der Bankguthaben um 31,2 auf 43,6 Mill. DM ist vornehmlich auf den erst später beanspruchten Verkaufserlös der 50-Mill.-DM-Anleihe 1957 zurückzuführen. Der Reingewinn (einschl. Vortrag) stieg von 11,6 auf 12,3 Mill. DM, aus dem wieder eine Dividende von 9 v. H. gezahlt werden soll, sicher zur Freude der bundeseigenen Veba, die mit 83,6 v. H am AK von 156,6 Mill. DM beteiligt ist. – n g.