pk, Hannover

Die Baustelle sieht aus wie andere auch: Bretterzaun zur Publikationsabwehr, Sand- und Kiesberge, ein riesiger Betonmischer, Lorengleise, Eisengitter und Stahlträger, Gerüste. Aber das Schild an der Zaunecke hebt den Platz aus der Vielzahl der Baustellen heraus: „Niedersächsischer Landtag.“

Die Pläne für den Landtagsneubau in Hannover sind fast so alt wie das niedersächsische Parlament selbst. Der erste gewählte Landtag konstituierte sich im Mai 1947 in Restaurationsräumen der Stadthalle, wo der gegenwärtige dritte Landtag noch immer zur Miete wohnt. Schon 1949 faßten die Abgeordneten den Beschluß, am Standort des im Kriege ausgebrannten Leineschlosses ein neues Parlamentsgebäude zu errichten – jenes dreihundert Jahre alten Schlosses am Leineufer, in dessen Rittersaal 1814 die erste parlamentarische Vertretung des Landes, die „Allgemeine Ständeversammlung“, zusammengetreten war. Aber die Parlamentarier warteten bis 1957, ehe sie als erste Baurate 2,5 Millionen Mark in den außerordentlichen Landesetat einsetzten. Die Gesamtkosten des Baues werden auf 12 Millionen Mark veranschlagt.

Anschaulicher als das Geschehen auf der Baustelle ist vorläufig noch das Modell, dasim Büro der Neubauleitung steht, Maßstab 1 : 100. Da ist das Geviert der Bauten innerhalb der ehemaligen Schloßmauern: Räume für die Fraktionen und die Verwaltung. Zwei hübsche Innenhöfe mit viel Glas. Der alte Portikus als repräsentativer Eingang. Der neue Plenarsaal. Man nimmt das Dach ab, die Saaldecke auch noch, und da sind die Tische und Stühle für die Abgeordneten, die erhöhten Regierungsbänke; an der Stirnwand prangt sogar schon das Niedersachsenroß, das Landessymbol.

Wenn die Zeitläufte friedlich bleiben, wird der Landtagsneubau 1961 eröffnet werden können – etwa zur Halbzeit des im Frühjahr 1959 zu wählenden vierten niedersächsischen Parlaments.