/ Von Heinz Stuckmann

Von folgendem Dialog stimmt jedes Wort: "Können Sie uns nicht mitnehmen?" – "Wohin?" – "Och, vielleicht mal Richtung Frankfurt ..." – "Ich zweige aber zur Bonner Autobahn ab und fahre dann weiter nach Saarbrücken." – "Och, das ist auch egal..." – "Wo wollt ihr denn hin?" –"Wir wollten in die Schweiz. Aber wenn Sie uns nach Saarbrücken mitnehmen, dann sehen wir noch ein Stück Frankreich ..."

Da stehen sie jetzt jeden Morgen, wenn ich in Köln-Mülheim auf die Autobahn fahre, gut verteilt auf dem einen Kilometer langen Zubringerweg. Buben in blauen Fahrtenblusen, ungewaschene Landstreicher, junge Herren mit einem Pappschild "Student nach München", Mädchen in Nietenhosen, Pfadfinder mit breitrandigen Hüten, buntgekleidete Ausländer mit dem Wimpel des Heimatlandes am Rucksack, Pärchen, die, "Händchen in Händchen", gläubig der ungewissen Zukunft entgegenschauen. Jeden Morgen zähle ich: zwei, fünf, sechs, zehn, elf ... Einmal kam ich bis neunzehn.

Sie winken lässig nach amerikanischer Art mit dem Daumen (die Studenten); stürzen sich fast – mit beiden Händen winkend – vor den Wagen (die Pfadfinder); brüllen einem ein Fahrtziel ins offene Wagenfenster (Landstreicher); stehen stumm, aber herausfordernd auf der Fahrbahnhälfte ("Damen"). Meist stehen sie nach ihren Gruppen getrennt: Nie stehen die Pfadfinder bei den Studenten, nie die Mädchen bei den "Damen" und – von Pärchen abgesehen – scheint strenge Geschlechtertrennung zu herrschen. Allenfalls stehen Jungenschafter mit Pfadfindern zusammen, dafür Verliebte immer allein.

Jeden Morgen stehen sie da. Und wenn ich an der Ausfahrt Köln-Dellbrück wieder hinausfahre, dann kann ich auf der anderen Straßenseite nochmal zählen: drei, vier, acht, neun ... Halb Jung-Deutschland scheint in diesen Tagen an den Autobahnen zu stehen. Aber das sieht nur so aus: Nur zwei von hundert der Jungen und Mädchen zwischen achtzehn und zwanzig Jahren, die in Ferien fahren, tun das laut EMNID per Anhalter.

Junge Mädchen haben Chancen

An ihnen vorbei fahren die Autos: schwere "Fernlaster", elegante Cabrios, knatternde Motorräder, Lieferwagen, Omnibusse, Straßenkreuzer – jeder eine neue Hoffnung, fast jeder eine kleine Enttäuschung. Denn ungeachtet der winkenden Arme, ausgestreckten Daumen und schönen Beine fahren die meisten Chauffeure unbeirrt ihren Weg. "Nur jeder fünfzigste hält im Durchschnitt", sagte ein erfahrener Tramper. Dieser fünfzigste fährt die Reihe entlang und wählt seinen Fahrgast aus.