Eine der traditionsreichsten deutschen Universitäten hat ihren Rector Magnificus verloren just in dem Augenblick, wo sie sich anschickte, auf ein vierhundertjähriges Bestehen feierlich zurückzublicken. Schickte sie sich an? Wenn das so wäre, wäre der Dermatologe Professor Dr. Hämel noch heute ihr Rektor und könnte sich und seine Universität rüsten zum Empfang vieler akademischer Delegationen, auch aus dem westlichen Ausland, auch aus der Bundesrepublik Deutschland.

Das vierhundertjährige Bestehen der Universität Jena wurde jedoch zu einem Staatsakt gemacht, sollte expressis verbis Bekenntnis ablegen zu einer Staatsform, die uns den humanistischen Traditionen, denen die Universität ihr Leben verdankt, zu widersprechen scheint, die der akademischen Freiheit lieber heute als morgen den Garaus machte.

Was bedeutet diese akademische Freiheit? Hüten wir uns, daß sie nicht zu einem jener Schlagworte werde, die nur noch in Festreden ein mumifiziertes Dasein führen!

Akademische Freiheit bedeutet: Obwohl die Universitäten vom guten Willen (und, mehr und mehr, von der finanziellen Unterstützung) der staatlichen Autorität abhängen, führen sie ein Eigenleben, das sich dem Staat gegenüber einen hohen Grad von Unabhängigkeit bewahrt.

Es wäre interessant, einmal von einem berufenen Historiker zu hören, wie es kommt, daß in

Die Universität Jena ist eingetreten

in das fünfte Jahrhundert ihres Bestehens.