R. St., Bonn, Ende September

Es war etwas im Gesicht und im Auftreten des Ministerialrats Kilb, das viele Menschen, die ihn in Adenauers Umgebung sahen, mißtrauisch machte, noch ehe an die Möglichkeit gedacht wurde, er könne je in eine Korruptionsaffäre verwickelt werden. Doch eben davon hörte man zum erstenmal kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Sogleich aber wurde die Mahnung zur Vorsicht laut: Könnte da die Wahltaktik der politischen Gegner nicht manches aufgebauscht haben?

Die Verhaftung Kilbs bestätigt aber nun, daß doch sehr ernste Verdachtsgründe vorliegen müssen. Sonst hätten Staatsanwalt und Untersuchungsrichter gewiß darauf verzichtet, eine so aufsehenerregende Maßnahme gegen den langjährigen persönlichen Referenten des Bundeskanzlers zu ergreifen: Kilb wird der passiven Beamtenbestechung beschuldigt. Er soll sich von einer großen süddeutschen Autofirma einen höchst komfortablen Wagen kostenlos haben zur Verfügung stellen lassen. Und es scheint, daß dies nicht alles ist.

Wenn das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen den Verdacht gegen Kilb bestätigt, werden natürlich disziplinarische Schritte gegen ihn eingeleitet werden, im Bundeskanzleramt, aber auch in der Kommission der Europäischen Atomgemeinschaft, in der Kilb eine Abteilung leitet, die ausgerechnet „Sicherheit und Sauberkeit“ heißt. Die Staatsräson erfordert, daß dort, wo die Unregelmäßigkeiten nachgewiesen werden, scharf durchgegriffen wird.