DIE ZEIT

Njet!

Das hier veröffentlichte Interview der ZEIT mit dem russischen Staatsmann Chruschtschow kam so zustande: Sowjetrußland war die letzte Station der Weltreise unseres Sonderberichterstatters A.

"Politik des Antikommunismus"

2. Frage: Oft ist mir bei meiner bisherigen Reise durch die Sowjetunion versichert worden, daß man sich russischerseits die friedliche Koexistenz mit der Bundesrepublik durchaus vorstellen kann, obgleich in der Bundesrepublik andere politische Anschauungen vorwalten als in der Sowjetunion.

"Propaganda, auf die wir stolz sind"

4. Frage: Überall in der Sowjetunion sieht sich der aufmerksame Reisende ganz außerordentlichen Entwicklungsvorhaben in wirtschaftlicher und zivilisatorischer Hinsicht gegenüber; überall wird ihm versichert, daß diese Aufgaben nur zu lösen sind, wenn der Welt der Friede erhalten bleibt.

Klassentadel für SED-Funktionäre

Berlin, Ende September Die Funktionäre des SED-Regime sind wahrhaftig nicht zu beneiden. Eben noch hat ihnen der 5. Parteitag zur Pflicht gemacht, die Vorherrschaft des wissenschaftlichen Sozialismus "zu erkämpfen", die bisher vernachlässigte Erziehung einer "neuen" Intelligenz zu beschleunigen, das Eindringen bürgerlicher Ideologien an den Universitäten durch die Parteiorganisationen "korrigieren" zu lassen und ein "sozialistisches Hochschulrecht" zu schaffen.

ZEITSPIEGEL

Am 16. August hat der französische Rechtsextremist Poujade, wie Paris Match berichtet, einen antigaullistischen Fragebogen in 7001 Exemplaren versandt.

Polens Juden

Von mehr als drei Millionen polnischen Juden haben nur rund 50 000 den zweiten Weltkrieg und die Vernichtungskampagne des Dritten Reiches überlebt.

"Expressen’’ schmäht Adenauer

Daß dort, wo blanker Haß waltet, die Vernunft zu Schaden kommt und obendrein die primitivsten Regeln des Taktes mißachtet werden, dafür gibt Expressen, die größte schwedische Abendzeitung, ein ebenso blamabel wie ungeheuerlich anmutendes Exempel: Adenauer, der deutsche Bundeskanzler sei – Antisemit, so schreibt das Blatt.

Wer prellt wen um die Zeche?

Niemand zweifelt mehr daran, daß de Gaulle die Abstimmung vom nächsten Sonntag gewinnt. Er wird sie gewinnen, weil sich, von den Extremisten und ein paar Einzelgängern abgesehen, jedermann zu ihm bekennt.

Ist Vertrauen im Atomzeitalter möglich?

Anschließend an die Genfer Atomkonferenz fand in dem Tiroler Bergkurort Kitzbühel eine von 73 Delegierten (darunter sechs Nobelpreisträger) aus 21 Staaten besuchte Wissenschaftlertagung über die "Gefahren des Atomzeitalters" statt.

Krach in Karlsruhe

Wenn Friedrich Karl Kaul nach Karlsruhe kommt, gibt es Krach. Kaul ist der Spezialist des Zentralkomitees der SED für die Verteidigung von "Friedenskämpfern und Patrioten", die in der Bundesrepublik mit den Staatsschutz-Bestimmungen des Strafgesetzbuches in Konflikt geraten sind.

Am Krankenbett der Kassen

Während sich die Ärzte in der Privatpraxis mehr und mehr mit der "Managerkranckeit" herumschlagen, ist bei den Kassenpatienten ein neuer Bazillus aufgetaucht, dessen Reinkulturen sich ausschließlich auf dem Papier des Krankenscheins ansiedeln; die Krankenversicherung selbst – so erfuhr man jetzt auf der Arbeitstagung des Verbandes der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund) in Baden-Baden – ist "pathogen", also krankheitserzeugend.

Hans Kilb und die Staatsräson

Es war etwas im Gesicht und im Auftreten des Ministerialrats Kilb, das viele Menschen, die ihn in Adenauers Umgebung sahen, mißtrauisch machte, noch ehe an die Möglichkeit gedacht wurde, er könne je in eine Korruptionsaffäre verwickelt werden.

FDP auf neuem Kurs

Es geht um eine Kursänderung der FDP. Der Düsseldorfer "Putsch" vom Jahre 1956 hat sich auf lange Sicht nicht rentiert. Damals war bekanntlich die FDP unter der Führung von Döring und Weyer im Düsseldorfer Landtag aus der Koalition mit der CDU ausgebrochen und hatte die SPD in den Regierungssattel gehoben.

SPD und Springreiter

Thiedemann, der Meister der Springreiter, hat – so lesen wir – dagegen protestiert, daß die SPD in einer "Illustrierten", die im Wahlkampf von Schleswig-Holstein verteilt wird, auf dem Titel sein Bild verwandt hat; dort sitzt er "auf Meteor, dem erfolgreichsten Springpferd der Welt".

Tito und Sozialisten

Nach den letzten scharfen Angriffen des Kremls gegen Jugoslawien beginnen sich die sozialistischen Parteien westlicher Länder Tito wieder zu nähern.

Fr. Schiller, verzogen

Schiller muß weichen, weil Heuss nach Hamburg kommt" – so hört man es gegenwärtig in der Stadt raunen, und die Leute setzen dabei ein verschmitztes Lächeln auf und denken an einen Vorgang, der Schilda eher anstünde als der Freien und Hansestadt zwischen Elbe und Alster.

Hessen: "Das Gericht geht uns nichts an"

Kein Angestellter der Stadtverwaltung von Bad Homburg vor der Höhe hat am 4.’August dieses Jahres dem Homburger Bürger N., der seine Wohnung räumen sollte, erklärt: "Das Verwaltungsgericht geht uns nichts an.

Zeit-Rezensionen und Zeit-Rezensenten

Um mit der letzten Frage anzufangen: Wenn im Jahr an die 20 000 Bücher erscheinen, von denen immerhin etwa 5000 als Neuerscheinungen zu besprechen wären – wenn andererseits die Möglichkeiten einer nicht ausschließlich auf Literatur abgestellten Wochenzeitung etwa 300 Besprechungen im Jahr erlauben, dann ist diese Frage mit Sicherheit falsch gestellt.

Nr. 39 vom 23. September 1948: Alte Sorgen

Afrika wird mehr und mehr zu einer Lebensfrage der europäischen Völker. Im Vordergrund stehen hierbei auf Grund ihrer strategischen Lage am westlichen Mittelmeer die weiten Gebiete Französisch-Nordafrikas.

Die Angst geht tanzen

Dieser Chronist beschränkt sich nicht darauf zu vermerken: er führt den Schlag gegen die käufliche Welt. Und hinter der käuflichen wird eine andere Welt sichtbar, steht auf und läßt schaudern (nur: es werden wieder die falschen schaudern).

Schreibakrobatik

Wir leben offenbar in einer stilfeindlichen Zeit. Wir sind mißtrauisch gegen den "gepflegten" Stil, weil er der Zeit nicht entspricht, und befremdet vor "brillantem" Stil, weil er nicht bemüht genug scheint – vielleicht weil wir lieber mit Problemen ringen als mit der Sprache und vor lauter Wald die Bäume nicht sehen.

Eine Frau erlebt zwei Höllen

Wir haben eine ganze Menge der Greuelbücher vorliegen, die von den Höllen der absolutistischen Staaten Sowjetrußland und Nazideutschland handeln und von Erlebnissen berichten, die uns in unseren (immerhin) friedlichen, wirtschaftswunderlichen fünfziger Jahren dieses geschundenen Jahrhunderts die Haare zu Berge stehen lassen.

Kurzfristig: eine große Kritik

Es gibt Autoren, die sich gegen ihre Verleger durchsetzen müssen. Der 28 Jahre alte, bisher unbekannte Manfred Gregor wäre gut beraten gewesen, wenn er das in seiner Schublade ruhende Manuskript vom Leben und Sterben der sieben sechzehnjährigen Luftwaffenhelfer kurz vor Kriegsende 1945 irgendeinem Verlag auf normalem Wege angeboten hätte; möglich, daß es der erste, vielleicht der zweite oder sogar noch der dritte abgelehnt hätte – möglich, aber unwahrscheinlich in einer Zeit, in der von deutschen Verlegern deutsche Autoren oft nach dem Goethe-Wort "Kommt, laßt uns alles drucken" veröffentlicht werden.

Eifersucht, Mord und – warum?

Die Fälle mehren sich. Ich meine die Fälle, wo Jugendliche ihre Altersgenossen umbringen. Sönke Kern erschoß in Schleswig seinen Mitschüler Armin Berg.

Unterhaltung – aber wie?

Im Gespräch hat Carl Zuckmayer einmal auf die Verwandtschaft der Begriffe und Funktionen hingewiesen: Unterhalten (im Theater) im Sinne von Amüsieren – und Unterhalten im Sinne von: einem Menschen den Lebensunterhalt sichern.

Hans Kasper:: Stilistischer Rat

...grauen Herbst und seine Bäume so beschreiben, daß der Lesende die Blätter herabsegeln sieht – Bäume und bunte Blätter so beschreiben, daß es nach Herbst riecht – Blätter im windigen Herbst so beschreiben, daß die Bäume knarren; aber nie Herbst, Baum und Blatt beschreiben – den lesenden Sinnen bliebe kein eigenes Vergnügen.

Rund um den Nobelpreis

Wie ein Blitzschlag traf den bekannten Kernphysiker Professor Dr. Aloys Maier die Erkenntnis, daß er den Fehler in der Heisenbergschen Formel gefunden hatte.

ZEITMOSAIK

Nichts ist fähiger, einen Etel für Das ben zu erregen, als die Menge Bücher, womit Europa überschwemmt ist. Der Mißbrauch der sinnreichen Erfindung der Buchdruckeren verewiget unsere Thorheiten, und wird der Nachwelt zu den strengsten Urteilen über bie Nichtswürdigkeit unserer Werte Anlaß geben.

Ganz kleines Welttheater

Nicht alles, was vom Ausland kommt, ist darum schon Weltliteratur / Von Johannes Jacobi

D-mol(l)iert

Es genügt nicht, keinen politischen Takt zu beweisen – man muß auch unfähig sein, ins richtige "Fettnäpfchen" zu treten. Die Schweizer haben ganz sicher Anlaß genug, Witze über uns Deutsche zu machen.

Geistesbeschwörung?

Wie in den meisten Auseinandersetzungen um verschiedene Ansichten, so spielen heute auch in dem Meinungsstreit um Inszenierungen Schlagworte eine weit größere Rolle, als erwägenswerte Begründungen.

Mein Schiff ist mein Haus

Illustre Stationen einer schönen Seereise – Penny-Taucher und Madeiradecken "made in Hongkong"

Auch die Seele wird gern gebadet

Der Besuch der Heilbäder hat sich in der Bundesrepublik nach dem Krieg fast verdreifacht, und manche Kurorte entwickelten sich stürmisch.

Von der Strategie zur Taktik

Solange Geld ausgeliehen worden ist, hat es Verträge gegeben, welche die Zahlung bestimmten Summen an irgendeinem zukünftigen Zeitpunkt regelten.

Jeden Tag sechs Neue

In den Verbänden des deutschen Einzelhandels scheinen die Marktwirtschaftler allmählich Oberwasser zu gewinnen. Der Einfluß der "Fußkranken" (jener, die zuerst einmal nach Schutz und Schild rufen) geht zurück.

Europa contra USA

Obwohl die von England in Montreal verkündete Liberalisierung der Einfuhr aus dem Dollarraum weit hinter den vor einem Jahr gesteckten Zielen zurückbleibt, hat sie einmütigen Beifall gefunden und der Commonwealth-Konferenz den nötigen Auftrieb gegeben.

Banken-Gewinne in der Schere

Die dunkle Farbe scheint zum wichtigen Werkzeug der Verbände zu gehören, wenn sie das Bild der "Lage" zeichnen. Aber man ist doch überrascht, daß diesmal auch der so seriöse Bundesverband des privaten Bankgewerbes zum großen Pinsel gegriffen hat.

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