Traurig blickte Rudi Conventz auf seinen Murillo – denn siehe, er war falsch

RH-Hamburg

Von Rudi Conventz, der jetzt in Hamburg von der 12. Großen Strafkammer des Landgerichts wegen Betruges und Unterschlagung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, wird gesagt, er sei eine typische Erscheinung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik. Wirklich aber ist an ihm nur typisch, daß er vor zehn Jahren die ersten neuen Markscheine als Straßenverkäufer verdiente und in kurzer Zeit der Besitzer florierender Geschäfte wurde. Nicht wenige Inhaber gutgehender Firmen könnten heute gerührt den Spankorb betrachten, aus dem sie 1948 Eier, Obst oder Blumen verkauft haben.

Conventz handelte damals vor den Türen der Staatsoper mit Obst. Und Obst war es wenig später auch, das ihm, als er auf den drei großen Hamburger Bahnhöfen Pavillons besaß, viel Geld und den Namen Bananen-Rudi einbrachte. Die Leute aßen mehr Früchte, und den Bananen-Rudi machte das zusehends gesünder.

"Politik kostet Geld"

Leider entwickelte sich durch das viele Obst aber auch ein ungesunder Ehrgeiz in ihm. Conventz, von Beruf Koch und Kellner, wurde Politiker. Er brachte es bis zum Vorsitzenden des Hamburgischen Landesverbandes der Deutschen Partei.

Als der Geschäftsführer der Firma Conventz vor Gericht die säuberlich geordneten Zahlen über die Geldentnahmen seines Chefs in den Jahren 1949 bis 1952 vorliest, bekommen die Zuhörer einen Begriff davon, wie teuer das Hobby "Politik" sein muß. Conventz entnahm der Firma privat in diesen Jahren neunundfünfzigtausend Mark, denen leider nur zwanzigtausend Mark Reingewinn gegenüberstanden.