Nitribitts Auto hat Sammlerwert

Der Fall der Luxus-Lebedame Rosemarie Nitribitt, die voriges Jahr in Frankfurt ermordet wurde, hängt weiter in der Luft. Man weiß – obwohl das Material bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft jetzt schon 3000 Seiten umfaßt – nichts Genaues. Dafür geistert ein "Mädchen Rosemarie" über die Leinwandflächen der Kinos, und das Auto, mit dem die Frankfurter Rosemarie ihr Flirtgeschäft nuancierte und aktivierte, geistert ebenfalls in der Gegend herum. Es war gerade jetzt Star der großen Gebrauchtwagenschau in Hamburg, wo es für 13 300 DM zum drittenmal den Besitzer wechselte.

Der Nitribitt-Wagen mußte freilich die Farbe und die Form wechseln. Er avancierte vom offenen Sportwagen zum Cabriolett und löst jetzt offenbar jene Schauer aus, wie sie den Chambres separées der Jahrhundertwende einen – man kann fast sagen – magischen Glanz gaben.

In der Renaissance hießen die Kurtisanen die "Krähen". Von der Nitribitt könnte man dann sagen, sie war eine "Krähe" im fahrbaren Nest. Das Nest operiert mit Kraftfahrzeugbrief durch die Provinzen. Vielleicht sollte man aber ein Museum berühmter Autos einrichten, eine Schau von Fahrzeugen, die beachtlich sind, nicht von der Technik, sondern vom Schicksal her. K. N. N.