Nur eine einzige Frage wurde im Verlauf der Hauptversammlung der Industriekreditbank AG, Düsseldorf, gestellt. Ein Vertreter der Wertpapierschutzvereinigung bemängelte, daß das Institut, dessen Abschluß per 31. März erstmalig unter die neue Körperschaftssteuerreglung fällt, nicht die Möglichkeiten einer höheren Ausschüttung voll genutzt habe. Die Bank hätte 1 v. H. mehr an ihre Aktionäre zahlen können. Aber die Befürchtungen, die Industriekreditbank schaffe einen Präzedenzfall, wurden diskussionslos überwunden, als der AR-Vorsitzer Geheimrat Dr. h. c. Ludwig Kastl betonte, daß dieses Bankinstitut kein gewinnorientiertes Unternehmen, sondern eine "Hilfsorganisation" für die mittelständische gewerbliche Wirtschaft sei. Die Aktionäre hätten seinerzeit bei der Gründung genau um den besonderen Charakter dieser Bank gewußt. Außerdem arbeite die Industriekreditbank noch ohne nennenswerte Rücklagen, so daß eine Stärkung des Instituts wichtiger sei als eine – kleine – Erhöhung der Dividende.

Danach wurde die Tagesordnung ohne Verzögerung erledigt und alle Beschlüsse einstimmig gefaßt. Es wurde eine Dividende von 8 (7) v. H. auf die A-Aktien und 4 (3,5) v. H. auf die B-Aktien beschlossen. Die Verwaltung gab bekannt, daß die Bank demnächst eine 50-Mill.-Anleihe bei einem Zinssatz von 5 1/2 v. H. und einem "befriedigenden" Ausgabekurs auflegen wird.

Die neue Anleihe und andere Refinanzierungsmittel sollen die Bank in die Lage versetzen, neue Kredite zu attraktiven Bedingungen herauszulegen. Der Vorstand begrüßte es, daß Bundesminister Lindrath die Herabsetzung der Zinssätze für die ERP-Kredite angekündigt hat; sie wird zum 1. Oktober erwartet. Mit der von der Bank beabsichtigten Anleihe und der Senkung der Zinsen für das bedeutendste öffentliche Kreditprogramm wird nach den Worten von Vorstandsmitglied Wolfgang Büsselberg ein wichtiger Abschnitt in der Kreditversorgung der nicht emissionsfähigen Betriebe erreicht.

Das neue Geschäftsjahr ist bei der Industriekreditbank gut angelaufen. Seit dem 1. April hat die Bank rd. 750 (600) Kredite mit insgesamt 115 (95) Mill. DM bewilligt. Dieses zufriedenstellende Ergebnis zeige – so betonte der Vorstand in seinem Bericht –, daß die langfristige Kreditgewährung an die nicht emissionsfähigen Betriebe gerade auch im gegenwärtigen Stadium der Wirtschaft ihre große Bedeutung beibehalten hat. Durch ihre Kredite trage die Bank einen wesentlichen Teil dazu bei, daß die kleineren und mittleren Betriebe den Rationalisierungsgrad erreichen, der den sich bereits abzeichnenden Anforderungen des Gemeinsamen Marktes und dem sich verschärfenden Wettbewerb im In- und Ausland entspreche. Daß hier noch ein hoher Rückstand aufzuholen ist, zeigt ein Vergleich: Die Investitionsquote der Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten beträgt im allgemeinen nur die Hälfte dessen, was Unternehmen mit über 100 Beschäftigten aufgewendet haben. Auch die Mittelbetriebe sind bei den meisten Branchen beträchtlich hinter den Spitzenbetrieben zurückgeblieben. Nach den Ausführungen Büsselbergs. habe aber die mittlere Industrie die Notwendigkeit zur Fortführung der Rationalisierung erkannt, während bei den kleineren Firmen noch eine abwartende Haltung zu beobachten sei.

Die Industriekreditbank ist in ihr 10. Geschäftsjahr eingetreten. Sie hat seit ihrem Bestehen, wie Geheimrat Kastl in der HV ausführte, 12 000 langfristige Kredite mit einem Betrag von annähernd 1,6 Milliarden DM bewilligt. Diese Kreditgewährungen ermöglichten in der gewerblichen Wirtschaft Investitionen im Betrage von rund 5,5 Mrd. DM. nmn.