Was hat die Bundesrepublik bisher getan? – Verschleierte Auslandinvestitionen

Von Hans Rinn, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank AG.

Ende vergangener Woche hat Bundeswirtschaftsminister Erhard eine sechswöchige Reise nach Ost- und Südostasien angetreten. Der Bundeswirtschaftsminister wird Indien, Burma, Thailand, Japan, Südkorea, Südvietnam, Ceylon und Pakistan besuchen, um sich aus eigener Anschauung ein Bild von der wirtschaftlichen Lage dieser Länder zu machen. Wenn der Minister auch vor Antritt seiner Reise sagte, daß er "nicht mit gefüllter Brieftasche kommt", so besteht doch kein Zweifel darüber, daß diese Reise im Zusammenhang zu sehen ist mit der seit einigen Wochen erkennbaren neuen Initiative der Bundesrepublik, den Entwicklungsländern mit verstärkten Anstrengungen unter die Arme zu greifen. Die Absicht Bonns einen neuen Fonds im Rahmen der Hermes-Kreditversicherungs AG in Höhe von etwa einer Milliarde DM zu errichten, mit dem auch private Investitionen in Entwicklungsländern gegen politische Risiken abgesichert werden sollen, deutet jedenfalls darauf hin, daß in nächster Zeit auf diesem Gebiet einiges geschehen wird. Wo sich neue Entwicklungen abzeichnen, ist es tunlich, Bilanz zu machen über das, was war. Der nachfolgende Artikel stammt aus der Feder des Vorstandsmitgliedes der Dresdner Bank AG, Hans Rinn, der gerade in diesen Tagen auf seine 40jährige Zugehörigkeit zu diesem Institut zurückblicken kann.

Eine Antwort auf die Frage nach Umfang und Möglichkeiten des deutschen Kapitalexports hat die Vielschichtigkeit heutiger nationaler und internationaler Finanzierungsmethoden zu berücksichtigen. Insbesondere das ständige Anwachsen der Staatsausgaben – was entsprechende Einnahmen voraussetzt – und die überall auf Vollbeschäftigung und industrielle Entwicklung ausgerichtete Wirtschaftspolitik setzen Bedingungen, die nicht übersehen werden dürfen; denn gerade in den vergangenen Jahren ist das Kapitalmarktgeschehen der Bundesrepublik Deutschland durch wirtschaftspolitische Maßnahmen erheblich beeinflußt worden.

Der deutsche Kapitalmarkt

So wurde aus sozialpolitischen Gründen ein der Marktsituation nicht entsprechender niedriger Zins geradezu befohlen. Als Äquivalent dafür, daß dem Zins nicht die ihm zustehende Rolle als Knappheitspreis für Kapital erlaubt wurde, blieben die Erträge aus Papieren, die unter dem sogenannten Kapitalmarktförderungsgesetz emittiert wurden, steuerfrei oder steuerbegünstigt. Das Ergebnis war, daß sich eine steuerfreie Verzinsung von rd. 5 v.H. für festverzinsliche Wertpapiere einspielte. Bei der hohen Steuerprogression kann dies für die Mehrzahl der privaten Anleger einen Bruttozins von 13 v. H. oder 14 v. H. gleich.

Man schätzt den Umlauf an allen steuerfreien oder steuerbegünstigten Papieren auf rd. 10 Milliarden DM bei einem Gesamtumlauf festverzinslicher Werte von etwa 29 Mrd. DM. In den nächsten fünf Jahren werden von den begünstigten Papieren rd. 2 Mrd. DM zur Zahlung fällig Es verbleibt dann aber noch immer ein Block von rd. 8 Mrd. DM steuerfreier Papiere, der nicht ohne weiteres beseitigt werden kann. Sie erbringen, nachdem die Steuerprogression nicht mehr ganz so stark ist, für die hochbesteuerten Anleger einen Bruttoertrag von immerhin rund 11 v. H. Hierin liegt ein nicht zu unterschätzender, die weitere Zinssenkung hemmender Faktor.