Von Heinz Stuckmann

Der Luftschutz gehört zu meinen frühen Jugenderinnerungen. Er war sozusagen mein Nachbar.

Der Luftschutz – offiziell Reichsluftschutzbund genannt – saß damals im Gebäude der Freimaurerloge am Kölner Apostelmarkt einem dem Pantheon nachgebauten Kasten, dessen hohe Säulen zu Logenzeiten rechts und links von je einer Sphinx flankiert waren. Zu Nazi-Zeiten hatte man die Tierdamen entfernt und statt dessen ebendort zwei etwa fünf Meter hohe Blechbomben aufgebaut. Sie waren mit Silberbronze gestrichen und trugen die schwarze Aufschrift: Luftschutz tut not!

Jeden Werktag warf damals zu festgesetzter Stunde ein Luftschutzmann eine Stabbrandbombe auf die Straße. Meistens – nicht immer – entzündete sie sich mit geringem Knall und sprühte Feuer und Verderben. In diesem Augenblick kam die im Unterhaus stationierte Wache angerannt und kippte einen Eimer Sand über das Ding, um so den verdutzten Zuschauern zu demonstrieren, wie einfach das Löschen einer solchen Stabbrandbombe sei. Wir Kinder sahen ungeladen zu und sangen auch bald ein Lied, von dem ich nur noch den Refrain weiß:

Und mit einem Eimer Sand

rettet er das Vaterland –

der Luftschutz.