Die Spinnstofffabrik Zehlendorf AG, Berlin, ist das Musterbeispiel eines Unternehmens, das sich außer mit den standortbedingten besonderen Schwierigkeiten der Inselstadt auch mit unvergleichlich größeren und stärkeren westdeutschen. Wettbewerbern auseinandersetzen muß. Überdies verfügen diese Konkurrenten im Gegensatz zu dem Berliner Unternehmen über ein breites Produktionsprogramm, das sie gegen konjunkturelle Abschwächungen, wie sie seit mehr als einem Jahr der Textilindustrie und damit auch den Herstellern von Chemiefasern zunehmend Sorge bereiten, weitgehend immun macht. Um so höher ist es zu bewerten, wenn es der Gesellschaft im Geschäftsjahr 1957 gelungen ist, den Abbau des hohen Verlustvortrages um weitere 0,40 (i. V. 0,39) Mill. DM auf nunmehr knapp 2,5 Mill. DM fortzusetzen und gleichzeitig das Bilanzbild deutlich zu verbessern.

Bei bereits sinkenden Preisen und Erträgen hat die Gesellschaft im Berichtsjahr eine Umsatzsteigerung bei Zellwolle um 15 (48) v. H. und bei Perlon um 50 (86) v. H. erzielt. Die hohen Investitionen der letzten Jahre zur Modernisierung und Rationalisierung der Anlagen haben damit, wie der Vorstand betont, ihre Berechtigung erwiesen. Ohne sie wäre der Gewinn nach seiner Ansicht nicht mehr zu erzielen gewesen. Aus dieser Überlegung leitet der Vorstand seine Forderung ab, das im vorigen Jahr bekanntgegebene weitere Ausbauprogramm auf jeden Fall fortzusetzen. Infolge des anhaltenden Preisverfalls für Zellwolle ist inzwischen der Absatz an diesem Artikel so zurückgegangen, daß die vorhandene Kapazität nicht mehr voll ausgenutzt wird. Andererseits hat die erhöhte Perlonproduktion zur Neueinstellung von etwa 100 Personen geführt, wodurch die Belegschaft auf fast 1400 Personen gestiegen ist. G. G.