Die "Arbeitsgemeinschaft gegen Behördenwillkür" hat in München einen Landesverband gegründet. Sie wirbt um Mitglieder und forscht nach Mißständen. Und seltsam: Wie viele gepeinigte Staatsbürger auch bis zu diesem Augenblick ohnmächtig die Faust in der Tasche geballt und auf den Tag der Rache gehofft haben mögen – plötzlich fällt es ihnen schwer, so viele und so gewichtige Ungerechtigkeiten oder gar eindeutige Willkürakte nachzuweisen, daß dem "Übermut der Ämter" ein Sündenregister entgegengehalten werden könnte, vor dem die Behörde kleinlaut werden müßte. Die Ämter haben denn auch die Situation blitzschnell erfaßt. Behördenwillkür gibt es gar nicht, so erklären sie. Aber das belauschte Volksgemurmel will nach wie vor wissen, daß besagte Arbeitsgemeinschaft dringend erwünscht und aufs innigste zu begrüßen sei. Und schließlich – ist es nicht schon eine Art Willkür, wenn jemand sich selbst, massierter Anklage gegenüber, so eigenmächtig zum Gutachter in eigener Sache aufschwingt und den eigenen Freispruch gleich auf den Tisch legt?

Freilich: Es wird darauf hingewiesen, daß berechtigte Beschwerden ohnehin den Weg zum Ohr des Kadis finden können; gibt es doch Verwaltungsgerichte, Disziplinargesetze, das Strafrecht und so weiter. – Nun ja, aber da ist die altbekannte "Behördenfurcht" des "kleinen Mannes", der sich keiner offiziellen Klage getraut, wenn sein armes Untertanenherz auch noch so sehr beleidigt worden ist. Es ist kein Grund – sagen die Behörden –, daß es Behördenfurcht gibt! Das scheint jedoch wiederum eine verdächtig willkürliche Diagnose zu sein. Behördenfurcht beruht auf einem Naturgesetz. blindheit und Willkür ist. Reicht das aber aus als Legitimation für eine "Organisation auf Bundesebene?"

Abgesehen davon, daß man um das Schicksal mancher Organisationen und Vereine besorgt sein muß, wenn man so pedantisch nach ihrer Legitimation fragt, finden wir, den Behörden sollte es wohl möglich sein, die Tätigkeit der "Arbeitsgemeinschaft gegen Behördenwillkür" so ins Positive zu lenken, daß sie zukünftig vielleicht heißt: "Arbeitsgemeinschaft zum Schutz und zur Ehre tadelloser demokratischer Beamten" ... Merker