Vor einigen Wochen sagte ich Ihnen, meine verehrten Leser, daß nicht jede ausländische Kapitalanlage, für die in der Bundesrepublik neuerdings geworben wird, ohne Problematik ist. Mit dem Erstarken des deutschen Kapitalmarktes ist die Bundesrepublik nicht nur für seriöse Gesellschaften als Kapitalquelle reizvoll geworden. Daneben betätigen sich auch Gruppen, die in ihren Heimatländern wenig oder gar nicht bekannt sind, die jedoch glauben, die in internationalen Kapitaldingen noch unerfahrenen deutschen Sparer vor ihren Karren spannen zu können. Ich bin der Meinung, daß es zwar nur nützlich sein kann, wenn man sich nach lohnenden Anlagemöglichkeiten auf den ausländischen Wertpapiermärkten umsieht, daß man jedoch – ehe man endgültige Beschlüsse faßt – eine deutsche Bank um Rat fragen sollte. Ein deutsches Institut kann Ihnen zwar keinen Garantieschein geben, aber es kann Ihnen doch zumindest etwas über Ihren ausländischen Verhandlungspartner sagen. Die seriösen Stellen des Auslandes schaffen sich in der Regel innerhalb der deutschen Bankwelt eine Repräsentanz. Die Firma des deutschen Repräsentanten ist dann eine gewisse Garantie dafür, daß die Auskünfte, die dem deutschen Sparer beim Verkauf dieses oder jenen Papiers gegeben werden, auch der Wahrheit entsprechen.

Kürzlich erschienen in deutschen Tageszeitungen größere Anzeigen, in denen in ziemlich anreißerischer Form der Leser so angesprochen wurde: "Über eine Milliarde Dollar im Jahr wird den Besitzern von Anteilscheinen folgender Ölproduzenten bezahlt..." Und dann folgen die Namen weltbekannter Ölgesellschaften.

In einem weiteren Absatz heißt es: "Sollten Sie interessiert sein, übersenden wir Ihnen, ohne jede Verbindlichkeit für Sie, in alle Einzelheiten gehende Informationen, wie Sie monatlich 1 v. H. oder mehr an ihrem investierten Kapital verdienen." Als auftraggebende Firma zeichnete "Norco Oil Royalties" mit einer Chiffre-Anschrift. Ich weiß nicht, was die Firma hinderte, in aller Öffentlichkeit ihre New Yorker Anschrift oder die ihres deutschen Vertreters in Köln zu nennen. Aber das soll hier auch nicht weiter interessieren. Wir wollen vielmehr ergründen, was hier in Wirklichkeit angeboten wird. Es handelt sich nämlich um Oil Royalties. Eine Oil Royalty ist das Eigentumsrecht an dem vorhandenen und geförderten Erdöl und Erdgas, welches in einem genau angegebenen und begrenzten Grundstück vorhanden ist und gefördert wird. So heißt es in dem von der Norco vertriebenen Prospekt Und das ist auch richtig. Ein Oil Royalty ist aber kein Anteilschein an einer Ölgesellschaft, wie man vielleicht aus der Anzeige herauslesen sollte.

Nach amerikanischem Recht ist privater Grundbesitz mit den Anrechten auf etwaigen Bodenschätze verbunden, die auf einem Grundstück zutage gefördert werden. Diese Anrechte können veräußert und übereignet werden. Erdölgesellschaften erwerben von den Grundeigentümern das Recht, auf ihren Grund und Boden nach Erdöl zu bohren. Der Grundbesitzer erhält für das erteilte Bohrrecht den Anspruch auf einen Teil der später geförderten Erdölproduktion. Dieser Anteil beträgt etwa 1/8 der Förderung. An den Bohr- und sonstigen Unkosten braucht sich der Grundbesitzer nicht zu beteiligen.

Der Grundbesitzer kann das Recht auf seinen Anteil am Erlös der Förderung veräußern. Dabei entstehen die Oil Royalties. Die Veräußerung geschieht ohne Kenntnis der fördernden Ölgesellschaften, die lediglich nach den vorher festgelegten Vertragsbedingungen monatlich oder vierteljährlich den Gegenwert für den Förderanteil an die Besitzer der Oil Royalties abzuführen haben. Daß es sich dabei um hohe Summen handelt, kann nicht bezweifelt werden.

Die vielen "Aber" stehen jedoch auf einem anderen Blatt. Der in Hamburg erscheinende Internationale Finanz- und Devisenbrief (Herausgeber Günther Reimann, New York) hat die Bedenken kürzlich zusammengestellt:

1. Die Erlöse stellen keine Verzinsung des für den Oil Royalty gezahlten Kaufpreises dar. Zu berücksichtigen ist doch, daß sich das Erdölreservoir (hier das Kapital) erschöpft. Deshalb handelt es sich zunächst nur um eine Rückzahlung des aufgewandten Kapitals, das erst dann eine Rendite abzuwerfen beginnt, wenn der ursprüngliche Kaufpreis unter Anrechnung von Zinsen zurückbezahlt ist. Diese Frist wird fachmännisch "payout" genannt. Ein "pay-out" von 1 v. H. im Monat (wie im Inserat versprochen wurde), entspräche demnach einer Rückzahlung über 8 Jahre und 4 Monate, oder über-10 Jahre unter Anrechnung von normalen Zinsen und Zinseszinsen. Fachmännische Kreise in den USA halten ein pay-out von 3 bis 5 Jahren für angemessen. Eine Frist von 8 bis 10 Jahren bietet dort keinerlei Anreiz.