Das Spiel um Zypern war in den letzten Tagen schwer zu durchschauen, und je näher der Termin des 1. Oktober kam, an dem die britische Regierung ihren auf sieben Jahre befristeten Übergangsplan für die Insel im östlichen Mittelmeer in Kraft setzte, desto undurchsichtiger wurde es.

In Athen rückte Erzbischof Makarios letzte Woche überraschend von seiner früheren Forderung nach sofortigem Anschluß Zyperns an Griechenland ab und zeigte sich bereit, vorläufig mit einem Autonomie-Status und später mit der staatlichen Unabhängigkeit Zyperns vorliebzunehmen. Ankara und das türkische Fünftel der zypriotischen Bevölkerung lehnten, diesen Plan jedoch brüsk ab, in dem sie nur einen schlecht verhüllten Umweg zum Anschluß sehen. In Athen stellte sich die Regierung Karamanlis uneingeschränkt hinter Makarios, in London aber beriet das Kabinett in eiligen Sondersitzungen über die durch den plötzlichen Stellungswechsel des Erzbischofs entstandene Lage. Gleichzeitig bemühte sich der Ständige NATO-Rat zu Beginn dieser Woche um einen Kompromiß; Generalsekretär Spaak, der vor acht Tagen einen Vermittlungsversuch unternommen hatte, flog hierzu eilends aus den Vereinigten Staaten nach Paris.

Großbritannien, und das war Mitte dieser Woche das einzige gesicherte Faktum, läßt sich von seinem – gegenüber dem ersten Entwurf geringfügig modifizierten – Siebenjahresplan für Zypern nicht abbringen. Die Türken haben ihn akzeptiert, die Griechen verweigern ihre Mitarbeit. Welche Folgen das Eintreffen eines türkischen Regierungsbeauftragten in Nikosia nach der Inkraftsetzung des Planes bewirken wird, ist zur Stunde noch unklar. Die griechischen Zyprioten haben einen neuen Generalstreik ausgerufen, und westliche Beobachter befürchten eine Verstärkung des Terrorismus auf der Insel. In Athen laufen Gerüchte um, die Regierung erwäge den Austritt Griechenlands aus der NATO.

Inmitten all der Verwirrung ist Paul Henri Spaak weiterhin verzweifelt bemüht, England, Griechenland und die Türkei an einen Tisch zu bringen und einer Kompromißlösung den Weg zu bahnen. Sollten Spaaks Bemühungen allerdings fehlschlagen, so müßte der von Macmillan als Abenteuer der Partnerschaft angekündigte Plan in einer Partnerschaft im Abenteuer enden – der Partnerschaft in einem Abenteuer, das allen Beteiligten, aber auch den indirekt betroffenen NATO-Verbündeten der streitenden Parteien, teuer zu stehen kommen würde. ts.