Die Kohle ist mehr eine nationale denn eine supranationale Angelegenheit geworden. Europäisch war die deutsche Kohle offenbar nur, als sie nicht ausreichte, um die Nachfrage zu decken. Die gegenwärtigen Absatzschwierigkeiten müssen dagegen im Zusammenspiel zwischen Bonn und Essen überwunden werden. Die Hohe Behörde hält sich zurück. Das wurde erneut deutlich auf dem Steinkohlentag in Essen, als die anwesenden Vertreter der Montan-Exekutive aus Luxemburg im offiziellen Teil der Veranstaltung schwiegen und das Feld für Erklärungen zur Energiepolitik der Bundesregierung überließen. Absicht oder Zufall? Jedenfalls blieb es dem Bundeskanzler vorbehalten, dem Bergbau Mut zu machen.

Aber der Steinkohlentag brachte aus Kreisen des Bergbaues auch das Bekenntnis zur eigenen Initiative. Die "Regierungserklärung" des neuen Vorsitzenden des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau, Bergassessor a. D. Helmuth Burckhardt, (siehe unser Porträt auf Seite 12), war kurz, aber sie hatte es in sich. "Wenn man es auch in den letzten Jahren manchmal nicht glauben wollte, so hat die Entwicklung wieder gezeigt, daß der Steinkohlenbergbau Deutschlands im Wettbewerb steht", so hieß es, und: "Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen und mit ihm fertig werden." Die Alternative, ob "im Wettbewerb die Stellung der deutschen Kohle wieder hergestellt werden könne", oder ob es notwendig werde, "die, Produktion den verringerten Absatzmöglichkeiten anzupassen", wurde klar ausgesprochen. Burckhardt sagte dazu: "Eine solche Anpassung kann nur vorübergehend durch Haldenbildung, und Feierschichten erfolgen. Auf längere Sicht müßte eine bleibende Senkung durch einschneidendere Maßnahmen erreicht werden."

Der Ruhrbergbau, der zugleich mit dem diesjährigen Steinkohlentag auch das 100jährige Bestehen seiner freiwilligen Zusammenarbeit festlich beging, erlebt nicht zum erstenmal in seiner Geschichte schlechte Zeiten. Aber es wurde in Essen hervorgehoben, daß alle Schwierigkeiten in dem zurückliegenden Jahrhundert – sowohl die des Marktes als auch die Auseinandersetzungen mit Maßnahmen der staatlichen Wirtschaftspolitik – durch das Zusammengehen der Zechen überwunden werden konnten. Das Ringen um eine Marktordnung zieht sich denn auch bei der Kohle wie ein roter Faden durch die letzten 100 Jahre.

Wettbewerb ja – aber die Verzerrungen müssen beseitigt werden... Das ist – wenn das Bekenntnis echt ist – eine berechtigte Forderung; die Dr. Heinrich Kost, der Ehrenvorsitzende des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau, erhob. Die der Kohle durch den Montanvertrag auferlegte Wettbewerbsordnung, die weder für andere Wirtschaftszweige noch insbesondere für die Wettbewerber auf dem Energiemarkt gelte, entspreche nicht den üblichen Methoden auf dem europäischen Kohlenmarkt. Es sei nicht damit getan, eine festgefügte Ordnung mit genau vorgeschriebenen Spielregeln für den Wettbewerb zwischen den Kohleproduzenten der Montan-Gemeinschaft zu statuieren; es komme vielmehr darauf an, die Kohle gegenüber anderen Energieträgern, die auf dem Markt auftreten, .wettbewerbfähig zu halten oder zu machen. Auf Grund des Diskriminierungsverbotes des Montanvertrages müssen die Produzenten ihre Verkaufsbedingungen und ihre Preise veröffentlichen. Damit ist aber die Konkurrenz der Kohle bestens im Bilde über ihre Chancen im Markt. Während die Kohle nicht weiß, "zu welchem Preis das Heizöl und die amerikanische Kohle jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt einem bestimmten Verbraucher angeboten" wird, ist der Bergbau zu einer individuellen Preissenkung bei einem bestimmten Verbraucher nur in der Lage, wenn gleichzeitig das gesamte Preisniveau gesenkt wird. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, lautet der Wunsch des Steinkohlenbergbaues: "Eine einheitliche Wettbewerbsordnung für alle Primärenergieträger" oder Befreiung von den Fesseln des Montanvertrages. Nmn