H. Ph., Beirut, Anfang Oktober

Zum erstenmal seit Wochen wird die Morgen-

stille Beiruts jetzt gelegentlich wieder vom Motorengeheul amerikanischer Düsenjäger zerrissen, die niedrig über die Dächer der Stadt hinwegbrausen. Amerikanische Sprecher haben sich beeilt, diese Tiefflugübungen als "reine Routinesache" zu entschuldigen und jeden Verdacht zu zerstreuen, daß sie etwa ein Ausdruck des Mißfallens über die jüngste Entwicklung im Libanon darstellten. Und die Beiruter Botschaft der Vereinigten Staaten hat darüber hinaus kategorisch festgestellt, daß sie nur eine legale libanesische Regierung kenne: die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Abdul Hamid Karami, und nur einen legalen Präsidenten: den Nachfolger Schamuns, General Fuad Schehab.

Die Unruhen, die den Amtsantritt Schehabs begleiteten, zerschlugen freilich die Hoffnungen, Schamuns Abgang werde eine Phase der Ruhe und des inneren Friedens im Libanon einleiten. Die Entführung eines schamunistischen Journalisten gab den Auftakt zu den erneuten Wirren, in denen jetzt die Anhänger des alten Staatspräsidenten gegen die des neuen Front machen.

Noch ist nicht sichtbar geworden, wohin die Entwicklung treibt. Schamuns private Radiostation strahlt neben kriegerischen Appellen immer wieder den Warnruf aus, seine Gefolgsleute sollten ihr Pulver trocken halten, und diese Gefolgsleute sind sich selbst nicht einig, ob sie nun "rein vorbeugend" rebellieren oder aus grundsätzlicher Ablehnung des Regimes Schehab.

In dieser gespannten Situation hat es Ministerpräsident Karami vorgezogen, dem Lande ein recht farbloses und damit möglichst wenig anstößiges Kabinett vorzustellen. Nur drei seiner acht Mitglieder haben schon zuvor wichtige Staatsämter innegehabt: Karami selbst, Außenminister Philippe Takla und Wirtschaftsminister Charles Helou. Alle anderen sind neue Männer, Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften des Libanon, die im Kabinett sorgfältig gegeneinander ausbalanciert worden sind.

Ministerpräsident Karami, gestern noch Anführer der Rebellen in der Gegend von Tripoli, ist mit 35 Jahren ein sehr junger Regierungschef, ein schmächtiger Mann von ruhigem und zuversichtlichem Auftreten. Von seinem Vater ererbte er die politische Führung der sunnitischen Moslems in Tripoli. Er studierte Jura in Kairo, gehört seit sieben Jahren dem Parlament an, war längere Zeit Wirtschafts- und Justizminister und saß ein halbes Jahr lang auch schon einmal auf dem Ministerpräsidentensessel. Seit langem hat er sich rege für die Sowjetunion interessiert, und letztes Jahr gehörte er der Delegation an, die den Libanon bei den Revolutionsfeierlichkeiten in Moskau vertrat,