hst, Munster

Ich lebe nicht standesgemäß. Ich habe das jetzt in Munster erfahren müssen

Der Herr Bundesminister für Verteidigung, Franz Josef Strauss, hatte zum Essen gebeten. Eingeordnet in eine endlose Kette chromblitzender Wagen schnaufte mein alter, etwas klappriger Ford die Auffahrt zum Offizierskasino hinauf.

Oben standen sechs Feldjäger mit weißem Koppelzeug – drei rechts, drei links – und salutierten vor jedem Wagen. Ein siebenter Feldjäger riß derweil die Türen auf – bei einem schwarzen Mercedes, bei einem Rolls Royce mit Stander und dann bei mir. Er schaute staunend in den Fond: er war leer.

Der Uniformierte faßte sich schnell und fragte etwas verwundert: "Sind Sie Selbstfahren Ich sagte: "Mein Chauffeur ist krank."

Das verwirrte ihn vollends. Denn einerseits ging ihm wohl auf, daß zu einem solchen Vehikel kein Chauffeur passe, andererseits gab es wohl für ihn keinen Grund, mit solchen ernsten Dingen zu scherzen. Hilfesuchend wandte er sich an den achten Feldjäger. Es entstand eine kleine Stockung, bis schließlich der achte entschied: "Dann müssen Sie selber zum Parkplatz fahren."

Nichts anderes hatte ich erwartet. Und so fuhr ich zum Parkplatz und trabte im Dauerlauf durch den Regen wieder zurück, denn es war eine ziemliche Strecke. Als ich aber – etwas außer Atem – durch die Tür schritt, salutierten der neunte und zehnte Feldjäger mit lautem Hackenschlag. Ich war wieder in der Kolonne.