Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt die Zahl zur rechten Zeit sich ein

Von Erwin Topf

Das Thema "Konzentration" beschäftigt bei uns die Gemüter nach wie vor recht lebhaft aber eben leider vorzugsweise die Gemüter, an die mit Gefühlsargumenten appelliert zu werden pflegt, und sehr viel weniger die ratio. Immer wieder hört man vom "Sterben der Kleinen", vom "Aufsaugen" mittelständischer Betriebe durch "Großkonzerne" und "Mammutunternehmen", von der "Zusammenballung ungeheurer Kapitalmacht in wenigen Händen", wobei besonders die "zunehmende Verschachtelung" und die damit verbundene "Ertpersönlichung" des Unternehmensbereichs beklagt zu werden pflegt... Aber immer wieder ist festzustellen, daß – übrigens auf beiden Seiten! – munter drauflos argumentiert wird, ohne daß zuvor klargestellt ist, worüber man sich eigentlich streitet: über die Besifzkonzentration oder über die Betiebskonzentration.

Wenn aus irgendwelchen technischen Ursachen in diesen oder jenen Branchen der "Zug der Entwicklung" unaufhaltsam zum Großbetrieb hinführt, so muß damit keineswegs zwangsläufig auch eine Besitzkonzentration verbunden sein: es ist nicht bloß theoretisch "denkbar", sondern häufig genug auch realiter so, daß ein schnell wachsendes Großunternehmen eben nicht von einer Einzelpersönlichkeit (oder einer "Kapitalgruppe") beherrscht wird, sondern im Besitz vieler ("anonymer") Anteilseigner liegt..., was, nach einer gerade bei uns weitverbreiteten Ansicht, eine ökonomisch "gesunde" und "richtige" Entwicklung darstellt zumindest aber doch aus andersartigen ("gesellschaftspolitischen") Erwägungen als wünschenswert gilt.

Umgekehrt ist es so, daß statistische Angaben über die große Zahl der kleineren und mittleren Betriebe – mit (sagen wir einmal) bis zu 200 Beschäftigten – nicht stichhaltig sind, wenn sie zum Beweis dafür dienen sollen, daß big business bei uns eben noch nicht die dominierende Stellung gewonnen habe. Es kann nämlich sehr wohl sein – und es ist in einigen Branchen tatsächlich so –, daß viele dieser "selbständigen Betriebseinheiten" von einer Stelle beherrscht sind: sei es von einem Großunternehmen, sei es von einer Kapitalgruppe oder, im extremen Fall, von einer Einzelpersönlichkeit. Verständlich also, daß sich diejenigen, die es angeht, zornig gegen jeden Versuch einer Verharmlosung des Problems mit Hilfe statistischer Angaben wenden... Aber wer sind nun jene, die es angeht?

Chor der Phrasendrescher

Das sind – so sollte man ja wohl meinen – in erster Linie die Betroffenen: also die Inhaber solcher Klein- und Mittelbetriebe, die einen schweren Stand gegenüber der "großen" Konkurrenz haben, und die deshalb in ihrer Existenz bedroht sind, oder sich doch wenigstens bedroht fühlen: small business also, um es mit einem Wort zu sagen. Freilich war bisher (erst in allerletzter Zeit, im Laufe der letzten Monate, ist da ein deutlicher Wandel zu verzeichnen) aus jenen Kreisen nur verhältnismäßig wenig an erbitterter Auflehnung gegen die Übermacht der Großbetriebe zu hören – und gegen die Ungerechtigkeiten, die sich aus gewissen steuerlichen Privilegien der Großunternehmen herleiten: bei der Körperschaftssteuer, der Abschreibungspraxis und bei der Umsatzsteuer (hier insbesondere durch das Schachtelprivileg). Die "sozialkritische" Ablehnung der wirtschafts- und steuerpolitisch bedingten sehr handfesten Förderung des Konzentrationsprozesses kam und kommt hierzulande vorwiegend "von links": von den Gewerkschaften (insbesondere auch von dem Gewerkschaftsflügel der CDU, der sich dabei auf gewisse naturrechtliche Überlegungen der Moraltheologie stützt) und von sozialistischer Seite. Was die geforderten Korrekturen anbetrifft, so liegen die Akzente hier stärker auf einer "Verbesserung der Arbeitseinkommen", da vorzugsweise auf der "Umschichtung der Eigentumsstruktur".