So geht es mit dem größten deutschen Unternehmen nicht weiter

Als der Deutschen Bundesbahn (DB) im Frühjahr mit einer Verspätung von mehreren Monaten die Tariferhöhung zugestanden wurde, hofften alle, die an dieser Maßnahme mitgewirkt hatten – und das waren die Regierungen in Bund und Ländern, die Regierungs- und Oppositionsparteien, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften –, der Bundesbahn vorerst einmal über den Berg geholfen zu haben. Man nahm zuversichtlich an, daß die DB wieder zu einer ausgeglichenen Rechnung kommen werde.

Neue Krise

Schon wenige Monate später aber erwies sich diese Hoffnung als trügerisch. Eine konjunkturelle Abschwächung in der Montanwirtschaft genügte, obwohl sonst Vollbeschäftigung im Lande herrschte und die Masseneinkommen weiter stiegen, um dieses größte westdeutsche Unternehmen in eine neue Finanzkrise zu stürzen. Diese ist – wie sich jetzt herausstellt – schlimmer als alles, was vorangegangen ist. Nicht, weil einige Hunderte Millionen zum Ausgleich der Rechnung fehlen werden, sondern weil sich kein Ausweg mehr im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zeigt. Weder Tariferhöhung noch Rationalisierungsmaßnahmen, oder was sonst alles in den letzten Jahren vorgeschlagen wurde, versprechen einen durchschlagenden Erfolg.

Will man die Dinge richtig sehen, dann muß man von der Tatsache ausgehen, daß ein Beschäftigungseinbruch in einem Sektor der Wirtschaft ausgereicht hat, um alle langfristigen Planungen der DB für Wiederaufbau und Rationalisierung über den Haufen zu werfen. Man wird fragen müssen, was erst geschehen wäre, wenn es in Deutschland zu einer ernsthaften Depression gekommen wäre. Einerseits wären dann das Verkehrsaufkommen der gesamten Wirtschaft stark abgesunken und andererseits die öffentliche Hand (und damit die Bundesunternehmen Post und Bahn) gezwungen worden, aus Gründen der Konjunkturpolitik im erhöhten Maße zu investieren, wozu im Bereiche des Verkehrs wirklich genügend Möglichkeiten bestehen.

Die Lage der Bundesbahn muß ernst genommen werden. Man muß zu einer echten Sanierung kommen. Der Bundestag hat dies erkannt und einen Sachverständigenausschuß eingesetzt, der die deutsche Verkehrspolitik untersuchen und Lösungen vorschlagen soll. Der Bundesfinanzminister ist nicht mehr geneigt, weitere Mittel in die Bundesbahn zu stecken, solange nicht Gewähr dafür besteht, daß die Zuschüsse des Bundes nicht in ein Faß ohne Boden fließen.

Zwei Gleise aus dem Dilemma