Wenn die Entwicklung der Kleinwagen im gegenwärtigen Tempo weitergeht, so wird der im heutigen Verkehr wirksame Leistungsvorsprung der mittleren und großen Wagen in absehbarer Zeit verschwinden. Jetzt stellten die NSU-Werke eine sportliche Variante des 583-ccm-Kleinwagens Prinz vor, für den mit einer Beschleunigung von 0 auf 80 km/h mit einer Person in 16,4 Sekunden Leistungszahlen genannt werden, die bis vor kurzer Zeit Von Gebrauchswagen mit zwei- und dreimal so großen Motoren noch lange nicht immer erreicht wurden.

Auf den ersten Blick präsentiert sich der neue NSU-Sport-Prinz ganz verschieden von dem für einen Kleinwagen erstaunlich geräumigen, in seiner Formgebung aber nicht von jedermann mit Beifall akzeptierten normalen Viersitzer-Prinz. Er ist ein zweisitziges, zweitüriges Sportcoupe mit zwei Notsitzen oder einem großen Gepäckabteil hinter den beiden Hauptsitzen und gehört als Junior in die immer populärere Familie der Gran-Turismo-Wagen, doch darf man ihn kostenmäßig wohl noch zu den Kleinwagen rechnen. Als Verkaufsrichtpreis nennt der Hersteller die Summe von 6500 DM und erwähnt einen Kraftstoff-Normverbrauch von 6,2 Liter auf 100 Kilometer. Schon nach den Illustrationen erkennt man die für einen Kleinwagen außergewöhnlich elegante Karosserieform des NSU-Sport-Prinz. Mit der hohen, seitlich gerundeten Windschutzscheibe, den großen Fenstern, den in kurze Flossenstummel ausmündenden Heckkotflügeln sowie dem senkrecht abgeschnittenen hinteren Karosserieende folgt dieses Coupé der jüngsten Sportcoupemode. Daß diese Linie in Italien entstanden ist, erkennt man auf den ersten Blick. Verantwortlich für sie zeichnet Bertone in Turin, der seinerzeit auch die Form des Giulietta-Sprint-Coupés von Alfa-Romeo entworfen hatte.

Bei unveränderten Fahrgestellabmessungen (Radstand 200 cm, Spurweite 120 cm) ist der Sport-Prinz länger (362 statt 314,5 cm), breiter (145 statt 142) und wesentlich niedriger (124,5 statt 137 cm) als der normale NSU. Größenmäßig liegt er etwa in der Mitte zwischen dem Goggomobil-Coupé und dem VW-Karmann-Ghia. Mit Ausnahme der Motorleistung wurden die technischen Merkmale vom NSU-Prinz praktisch unverändert übernommen. So finden wir den luftgekühlten Zweizylindermotor (75×66 mm, 583 ccm) mit parallelen Zylindern im Heck wieder, der mit Kupplung, Vierganggetriebe und Differential einen Block bildet, die Klauenschaltung für die Gänge, die selbsttragende Bauweise der Karosserie, ferner die Radaufhängung und auch die indirekte Zahnstangenlenkung. Dagegen stieg die Motorleistung bei gleicher Verdichtung (7,2 : 1) von 20 PS bei 4800 U/min auf 30 PS bei 5700 U/min. Das Werk nennt als Spitzen der vier Gänge die Werte von 30, 60, 100 und 135 km. Mit 30 PS hat der Motor seine mögliche Spitzenleistung noch lange nicht erreicht, da der in Motorrad-Rennmotoren vielfach erprobte Antrieb der obenliegenden Nockenwelle durch Schubstangen (System ULTRAMAX) noch höhere Drehzahlen zulassen würde und auch die Verdichtung noch wesentlich gesteigert werden – könnte. Nach der Auffassung des Herstellers lägen 40 bis 45 PS durchaus im Bereich des Möglichen. W. F u.