Es ist rund ein Jahr her, meine verehrten Leser, als ich Sie an dieser Stelle auf einige Anlagemöglichkeiten auf dem Wertpapiergebiet aufmerksam machte, bei denen Sie etwa 10 Prozent steuerfrei jährlich verdienen konnten. Es handelte sich damals im wesentlichen um einige vernachlässigte Auslandbonds. Mit solchen Einnahmen ist am heutigen Rentenmarkt nicht mehr zu rechnen. Neue Pfandbriefe werden mit einem Zinssatz von 5 v. H. und Anleihen mit einem Zinsfuß von 5 1/2 v.H. ausgegeben. Darüber liegende Zinsen lassen sich allerdings in einigen Ländern des Auslandes erzielen. Dabei hat man jedoch darauf zu achten, daß Schwankungen der Devisenkurse und die höheren Spesen nicht den Löwenanteil des angestrebten Zinsgewinnes aufzehren. Wenn man den deutschen Rentenmarkt näher betrachtet, wird man überdies mit größter Wahrscheinlichkeit feststellen, daß es noch ganz lohnend ist, das Geld im Lande zu lassen.

Beginnen wir mit dem Sparkassenzins. Wenn Sie, meine verehrten Leser, bereit sind, Gelder für ein Jahr festzulegen, dann wird Ihnen ein Zinssatz von 4 1/4 v. H. eingeräumt. Persönlich stört mich die einjährige Sperrfrist. Ich ziehe es vor, zu jeder Zeit über mein Geld verfügen zu können. Schon die Tatsache, daß ich bei einem normalen Sparbuch nur monatlich 1000 DM abheben kann, ohne vorher Verhandlungen führen zu müssen, empfinde ich als lästig. Mein Ausweg: mehrere Sparbücher anlegen und auf keines mehr als 1000 DM einzahlen.

Ohne jegliche Sperre, aber dafür mit dem Kursrisiko behaftet, ist der Erwerb von 5prozentigen Pfandbriefen (zum Kurs von 97 v. H.) und von 5 1/2prozentigen Industrie- und Länderanleihen (zu Kursen von 99 bis 99 1/2 v. H.). Beide Typen sind "tarifbesteuert". Die darauf entfallenden Zinsen müssen also von dem Besitzer der Wertpapiere individuell versteuert werden.

Zu ihrer Erinnerung noch einmal gesagt: Bei Lohnsteuerpflichtigen bis zu 24 000 DM Jahreseinkommen wird eine Veranlagung nur durchgeführt, wenn die "sonstigen Einkünfte" jährlich über 800 DM hinausgehen. D. h., daß Nebenverdienste (auch Kapitalerträge) unter 800 DM vom Finanzamt nicht erfaßt werden.

Wichtig für Leser, die zur Einkommensteuer veranlagt werden: Von den Einnahmen aus Kapitalvermögen kann nach den neuen Steuergesetzen ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 150 DM, bei Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, ein Pauschbetrag von 300 DM in Anspruch genommen werden. Damit ist sichergestellt, daß die Masse der Kleinsparer die Zinsen praktisch steuerfrei vereinnahmen kann. – Soweit unser Ausflug in das Steuerrecht.

Haben Sie sich für den Erwerb eines festverzinslichen Wertpapieres entschlossen, dann ergibt sich die Frage: Pfandbrief oder Anleihe? Der Pfandbrief besitzt allgemeinhin eine sehr, lange Laufzeit. Damit ist garantiert, daß Sie lange Zeit in den Genuß des jetzigen Zinssatzes von 5 v. H. kommen. Das ist vorteilhaft, wenn der Zins in den nächsten Jahren noch niedriger werden wird. Steigt er jedoch wieder, wird der Kurs ihres Pfandbriefes fallen. Die Sicherheit eines Pfandbriefes ist erstklassig. Deshalb sind alle Institutionen, die gezwungen sind, ihr Geld "mündelsicher" anzulegen, Pfandbriefkäufer.

Die 5 1/2prozentigen Anleihen der Industrie, der öffentlichen Betriebe oder der Bundesländer sind mit einer relativ kurzen Laufzeit (15 bis 25 Jahre) ausgestattet. Nach fünf oder zehn Jahren beginnt hier die Tilgung. Selbstverständlich kann man Anleihen oder Pfandbriefe jederzeit wieder verkaufen. Das geschieht zum jeweiligen Börsenkurs. Hinschtlich der Sicherheit besteht nach der Praxis der letzten Jahre gegenüber den Pfandbriefen kaum ein Unterschied. Deshalb sollte man sich den höheren Anleihezins nicht entgehen lassen.