Todesstrafe bei Staatsnotstand? – Ein Gespräch mit Bundesjustizminister Schäffer

Von Josef Müller-Marein

Fritz Schäffer, von Haus aus Rechtsanwalt, aber einst Finanzminister und Vater des inzwischen leergewordenen "Juliusturmes", ist heute als Bundesjustizminister Hausherr der "Rosenburg". Das ist ein hochgelegenes, kleines Kitsch-Palais in wunderschönem hügeligem Garten, der einen malerischen Blick auf Bonn erlaubt. Das Arbeitszimmer des Ministers: mäßig groß und nicht ohne Behaglichkeit. Er selbst hat das Lächeln des guten, besorgten Hausvaters, spricht leise, ruhig, doch mit vollkommener Konzentration, wobei er manchmal mit erhobenem Zeigefinger der Luft über seinem Schreibtisch kleine schnelle Schläge erteilt: Geste der Nachgiebigkeit, der hartnäckigen Attacke. Das Gespräch hat drei Themen: Wiedereinführung der Todesstrafe, Einrichtung einer Zentralstelle zur Verfolgung von Kriegs- und KZ-Verbrechen, ein Gesetz zum Schutz der Ehre.

I.

Der Besucher: "Ihre Ansicht, Herr Minister, daß die Todesstrafe wiedereinzuführen sei, ist in einem Interview zur Sprache gekommen, das der Berliner Kurier kürzlich veröffentlicht hat. Das Interview hat Aufsehen erregt..."

Der Minister, nachdem er zu verstehen gegeben hat, daß er mit diesem Interview nicht einverstanden sei: "Es kommt nicht auf meine persönliche Ansicht an, ich wollte und will von ihr nicht sprechen. Ich wollte zweierlei: 1. mich informieren, wie das Volk über die Todesstrafe denkt..."

Der Besucher: "Die Mehrzahl will die Todesstrafe, aber..."