Was denken diese Japse eigentlich, was geht in ihren Köpfen vor?" fragte Roosevelt einmal einen Amerikaner, der seit langen Jahren im Lande der aufgehenden Sonne seinen Geschäften nachging. "Sie müßten das schließlich wissen!" Doch der Japan-Fachmann zuckte bedauernd die Achseln: "Fragen Sie einen Touristen, Herr Präsident!"

Der diese Anekdote berichtet – ein wenig, scheint’s, in prophylaktischer Abwehr – ist selber nur ein Tourist in Japan gewesen, ein flüchtiger Besucher im Reiche des Tenno, und hat das jüngste deutsche Japan-Buch geschrieben:

Richard Friedenthal: "Die Party bei Herrn Tokaido – Begegnungen im heutigen Japan"; R. Piper Verlag, München; 263 S., 14,80 DM.

Was Friedenthal schildert, gebildet, amüsant und duftig hingetupft, ist zum einen Teil Japan auf den ersten Blick, zum anderen Teil ist es Japan aus zweiter Hand: Sein Buch lebt aus der Impression und vom Hörensagen. So ist es das pointillistische Porträt einer schnellen Liebe zu einem fernen Land geworden.

"In unserem Jahrhundert der Reporter beginnt der Typ des weltmännischen Reisenden, des nachdenklichen und charmanten Kommentators fast auszusterben", preist der Werbetexter des Verlages Die Party bei Herrn Tokaido an. In unserem Jahrhundert der Reporter, finde ich, da genügt es freilich nicht mehr, nur weltmännischnachdenklich zu charmieren.

Wo er eben dies tut, ist Friedenthal denn auch am schwächsten. Er tut’s nicht so oft, zum Glück. Diejenigen seiner 29 Kapitel, die nur ausgeweidetes, ausgeweitetes Tagebuch sind, müssen auf den Japan-Kenner langweilig wirken. Langweilig: die ersten Kapitel zumal, in denen dem Leser kaum ein Mahl, kaum ein Bad erspart wird. Schmausereien im Schatten des PEN-Kongresses sind schließlich nicht Japan. Banal: "Man spürt den Niederschlag der gewaltigen Zigarren großer amerikanischer Korrespondenten, die hier abstiegen und nirgendwo anders. Der Hauch whiskyschwerer Konferenzen von Staatsmännern hängt noch in den Polstermöbeln..." So stellt uns der reisende Weltmann das Tokioter Imperial-Hotel vor.

Doch wäre Friedenthal nicht der großartige Erzähler der "Welt in der Nußschale", nicht der scharfe Beobachter und Meister des Wortes, als der er sich in seinen Novellen ausgewiesen hat, blieben die glanzvollen Kapitel und die noblen Passagen nicht in der Überzahl: geschliffene Essays die einen, vorzügliche Reportagen die anderen. Verachtet die Reporter nicht...