Internationale Liquidität im Mittelpunkt der Tagung der Bretton-Woods-Institute

Von Kurt Richebächer

Die unermüdliche britische Geduld hat es nun doch zustande gebracht, das Gespräch über die internationale Liquidität auf amtlicher, höchster Ebene in Fahrt zu bringen. Einige Mühe hat es gekostet, die amerikanische Regierung zu gewinnen, während Per Jacobsson, der rührige Präsident des Weltwährungsfonds, zwar nicht in allen Einzelheiten den Briten beipflichtet, ihre Besorgnis aber doch grundsätzlich anerkennt. Nach einjähriger Vorarbeit hat der Fonds soeben eine über hunderseitige (inoffizielle) Denkschrift zum Thema Liquidität den Regierungen zugeleitet. Darin wird die Notwendigkeit eines Ausbaues des Internationalen Währungsfonds bejaht. Um aber das Gespräch zwischen den Regierungen zu eröffnen, mußte man sich erst der amerikanischen Bereitschaft versichern, die Eisenhower vor wenigen Wochen in einem Brief an den Kongreß erstmals offiziell bekundet hat.

Mehr Kapital für den Fonds?

Wenn alles im Chor nach Abhilfe ruft, ist damit freilich nicht gesagt, daß man auch die gleichen Vorstellungen über das Wie der Lösung hegt. Tatsächlich verbergen sich hinter den Deklamationen sehr verschiedene Bestrebungen. Ohnehin können auf der Tagung des Weltwährungsfonds und der Weltbank in Neu-Delhi (6. bis 10. Oktober) keine Beschlüsse gefaßt werden. Das entscheidende und letzte Wort haben die Parlamente, die später die Gelder bewilligen und vielleicht Änderungen der Statuten des Fonds zustimmen müssen.

In den meisten Ländern hat sich die Diskussion auf die Möglichkeit einer linearen Erhöhung der Einzahlungsquoten in den Weltwährungsfonds – meist ist von einer Aufstockung um 50 v. H. die Rede – beschränkt. Selbst diese Aufstockung ist nicht unumstritten. Nicht nur befürchtet man, vor allem in den USA, eine zusätzliche Bürde versteckter Auslandhilfe auf sich zu nehmen. Noch mehr besorgt ist man darüber, daß die Defizitländer, je länger man die Zügel läßt, desto munterer drauflos wirtschaften – des Kredites gewiß, bis über kurz oder lang auch der neue Kredit zur Neige geht.

In London hat man für diese Bedenken von jeher mindestens ein taubes Ohr gehabt. Nirgends ist so lebhaft und anregend über das Problem debattiert worden wie hier, aber aller Einfallsreichtum ist in die verschiedensten Pläne investiert worden, wie man mit einem möglichst geringen Aufwand das Kreditpotential des Fonds nicht nur um etliche Prozent vermehren, sondern sogar vervielfachen oder gar unerschöpflich gestalten kann.