G. Z., Kehl

Der Sonntag ist für die deutschen und französischen Zöllner an der Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl ein harter Tag. Die Fahrzeugschlangen reißen nicht ab. Frankreich fährt in den Schwarzwald und Deutschland in das Elsaß. Beim sonntäglichen Massenansturm beschränkt man auf beiden Seiten die Grenzformalitäten auf das Allernotwendigste. Selten ist die Grenze so "offen" gewesen.

Am letzten Sonntag wurden in Kehl deutschfranzösische Autokolonnen umgeleitet. Polizei hatte im Stadtzentrum einen Sperrbezirk abgegrenzt: Kehls Soldatenfriedhof wurde eingeweiht. Viele Franzosen und viele deutsche Sonntagsurlauber unterbrachen ihre Fahrt: An einem Soldatengrab fährt man hier nicht eilig vorbei. An diesem schönen Oktobersonntag sagte Badens Landesbischof an den Gräbern von über 2000 deutschen Soldaten in Kehl sehr deutlich: falsch sei alle mythische Heldenverklärung. "Es war ein unseliger Krieg, der diese Opfer forderte." Doch solle das den Dank für die Treue der Soldaten nicht kürzen. Diese Sprache versteht man gut im Grenzland. Auf der deutschen Seite sind heute die Trümmer des Westwalls übriggeblieben. Drüben sind die Maginot-Bunker verwaist. Die Soldatengräber auf beiden Seiten mahnen, daß die Wege der Gewalt auf dem Totenacker enden.

Der Stein am Kinzigdamm in Kehl ist weithin sichtbar. Alle sehen ihn, die von hier nach Frankreich oder von drüben nach Deutschland wollen. "Zerbrechlicher Tand, der Völker stolze Wehr!" steht darauf.