Die Aktionäre der Hypothekenbank in Hamburg horchten auf, als ihnen das Vorstandsmitglied Paul Wünschmann auf der Hauptversammlung erklärte, welche Kapital- und Reservenpolitik die Bank in den nächsten Jahren zu treiben hat. Rechnet man nämlich auch in Zukunft mit etwa den gleichen Absatzchancen bei Pfandbriefen und Kommunalobligationen wie in den letzten Monaten, dann wird die durch die jetzt beschlossene Kapitalerhöhung (um 3 auf 9 Mill. DM, Bezugsverhältnis 2 : 1, Ausgabekurs 100 v. H.) um 84 Mill. DM erweiterte Umlaufgrenze wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder erreicht sein, so daß dann an eine neue Kapitalaufstockung gedacht werden muß. Für 130 Mill. DM Pfandbriefe und Kommunalobligationen hat das Hamburger Institut in den ersten neun Monaten dieses Jahres verkauft.

Aber es ist nicht nur das laufende Geschäft, das zu einer Erhöhung der Umlaufsgrenze zwingen wird; zu beachten ist ferner die Forderung des Gesetzgebers, der vom 1. Januar 1961 bei der Bemessung der Umlaufsgrenze nur noch das 20fache des Eigenkapitals (Grundkapital plus ausgewiesene Reserven) zugrunde gelegt haben will. Bis jetzt wird für Eigenkapital, das vor dem 1. Januar 1957 bestanden hat, der Multiplikator 25 benutzt. Optimisten glauben demnach, nicht nur für 1959, sondern darüber hinaus auch noch für 1960 ein Bezugsrecht voraussagen zu können. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Bank mit größter Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren eine beträchtliche Anreicherung der Reserven vornehmen wird, die ja die Umlaufsgrenze ebenfalls ausdehnen.

Diese (bereits angekündigte) Reservenpolitik kann nicht ohne Einfluß auf die Dividende bleiben. Sie betrug für 1957 10 v. H. Mit einer Erhöhung auf mindestens 11 v. H. kann dennoch gerechnet werden, denn es steht wohl außer Zweifel, daß die Körperschaftssteuerersparnis voll an die Aktionäre weitergegeben wird. Ob darüber hinaus noch eine Aufstockung des Dividendensatzes in Frage kommt, bleibt abzuwarten. Allzu kühne Hoffnungen wurden auf der HV durch den Hinweis gebremst, daß das Neugeschäft zwar ausgezeichnet gewesen sei, daß aber mit einer geringeren Marge gearbeitet werden müsse.

Immerhin haben die zweifellos vorhandenen günstigen Aspekte die Phantasie der Börse beflügelt, die den Kurs für die Aktien auf über 390 v.H. steigen ließ. Das würde eine rechnerische Parität für das Bezugsrecht von über 94 v. H. bedeuten. Aber nicht nur der Aktienkurs des Hamburger Instituts liegt "fest"; auch die Kurse der anderen Realkreditinstitute sind in letzter Zeit beträchtlich gestiegen. Da man das Beispiel "Hamburger Hypothekenbank" mit ruhigem Gewissen verallgemeinern kann, wohl auch mit einigem Recht. Zu bedenken ist jedoch, daß einige Institute bereits im laufenden Jahr ihr Grundkapital heraufgesetzt haben. K. W.