Die amerikanische Konjunkturbelebung scheint an Schwungkraft zu gewinnen. Zwar ist der Anstieg der Industrie-Produktion noch nicht so steil, daß die Zunahme der Beschäftigung höher wäre als der Zuwachs der Zahl der Stellensuchenden. Daher beträgt der Anteil der Arbeitslosen nach den letzten Berichten immer noch 7,6 v. H. Aber es ist zu erwarten, daß sich dieser Prozentsatz im Laufe der Herbstmonate drastisch vermindert.

Dieser Schluß muß aus den neuesten Prognosen gezogen werden, die der amerikanische Konjunkturwissenschaftler Paul A. Samuelson für das letzte Quartal des Jahres 1958 aufgestellt hat. Samuelsons Prognosen haben Sich bisher als zutreffend erwiesen. Er sieht folgende Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft voraus:

– zwar ist damit zu rechnen, daß die Stahlindustrie ihre Kapazität bis zum Jahresende zu 75 v. H. ausnutzen wird (gegenwärtig nur zu 66 v. H.). Überschußkapazitäten werden dann jedoch in einzelnen Industrien immer noch vorhanden sein. Bereits zu Beginn des neuen Konjunkturaufschwungs hat aber das amerikanische Bundesbank-System das Steuer seiner Politik radikal herumgeworfen und damit begonnen, den Kredit systematisch zu verteuern. Die Zinssätze für kurzfristige Kredite sind scharf angestiegen; die Rendite der Regierungsanleihen hat sich ebenfalls erhöht. Kredite sind bereits jetzt ziemlich schwer erhältlich; die New Yorker Banken verlangen von erstklassigen Kunden Zinssätze von 3,5 bis 4 v. H. Abgesehen von der Diskonterhöhung, welche von der Federal Reserve Bank in New York vorgenommen worden ist, ist für diese Entwicklung auch die Offenmarktpolitik verantwortlich. Durch Offenmarkt-Operationen werden gegenwärtig die Überschußreserven der Privatbanken systematisch abgebaut. Die Hoffnung, daß das große Budgetdefizit des Schatzamtes eine Politik des Billigen Geldes einleiten könnte, wird sich als trügerisch erweisen.

– im vierten Quartal dürfte das Bruttosozialprodukt einen Rekordstand erklimmen, der höher liegt als der letztjährige Quartalsrekord (damalige Jahresrate: 445,6 Millionen Dollar).

– der Lagerabbau hat sich bereits stark verlangsamt. In Kürze dürfte eine Periode der Lagerhäufung anbrechen.

– die Ausgaben der öffentlichen Wirtschaft werden weiterhin zunehmen; hauptsächlich die Ausgaben der amerikanischen Einzelstaaten und Gemeinden.

– die Unternehmer, die bis weit hinein ins Jahr 1958 ihre Investitionen in feste Anlagen drastisch reduziert haben und weiterhin zu vermindern beabsichtigten, planen nunmehr eine leichte Erhöhung der Investitionsausgaben – wenn eine solche überhaupt möglich ist. Die Tendenz zu höheren Ausgaben für Kapitalgüter wird sich selbst dann bemerkbar machen, wenn die neuen Automobile bei den Kunden nicht den erwarteten Anklang finden sollten.