hst., Köln

Namens- und Geburtstage der Lehrerinnen und Lehrer waren seit eh und je helle Stunden im grauen Schulalltag. Die Überreichung eines kleinen Geschenkes nebst damit verbundener Feier sind ja meist Anlaß, daß statt lateinischer Zitate das Lied "Freunde laßt uns fröhlich loben" erklingt, vierstimmig und in seiner ganzen Länge. Das Schönste von allem aber ist eigentlich die Vorfreude auf die ausfallende Unterrichtsstunde.

Die Mädchen der Ursulinenschule in Köln, einer höheren Lehranstalt, sehen aber seit einiger Zeit den Namenstagen ihrer Lehrpersonen mit sehr gemischten Gefühlen entgegen: Sie finden den Preis der Freistunde zu hoch; die jungmädchenhafte Freude am Schenken ist ihnen verdorben.

Zwar hatten sie allzeit gerne und willig tief in den Taschengeldbeutel gegriffen, um Wunsch und Geschmack der ehrwürdigen wie kunstbeflissenen Matres zu befriedigen. Und als vor einigen Wochen die Klassenschwester der Obertertia, Mater Praxedis, Namenstag hatte, brachten 25 Mädchen sogar dreißig Mark zusammen, um einen Kunstband zu kaufen. Sie wußten, daß sich ihre Mater für dieses Thema interessiert.

Kurz vor dem Festtag kam nun die Würdige Mutter – so ist die Vorsteherin des Konvents, zugleich Schulleiterin des Neusprachlichen Gymnasiums und Lyceums, anzureden – in die Klasse. Sie teilte den erstaunten Mädchen mit, daß man ein Namenstags-Geschenk für die Klassenschwester ausgesucht habe. Sie habe das der Klasse abgenommen, denn es sei ja nicht immer leicht, ein gutes Geschenk zu finden. Ein solch gutes Geschenk glaubte die Würdige Mutter in einem Van-Gogh-Druck gefunden zu haben. Auf die vorsichtige Frage der Mädchen, was denn dafür anzulegen sei, nannte die Oberin den Preis: 120 Mark. Natürlich sei das nicht billig, aber ‚etwas Gutes ist nie billig".

Die Mädchen überlegten. Sie überlegten erst mit betretenem Schweigen und dann mit heftigen Diskussionen. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß 120 Mark von 25 Mädchen nicht aufzubringen seien. Sie dachten dabei an ihr kleines Taschengeld und an die ohnehin schon von der Schule großzügig strapazierte Gebefreudigkeit. Am nächsten Tag schickten sie ihre Sprecherinnen zur Würdigen Mutter: Man habe sich die Sache überlegt: das Bild sei zu teuer.

Das sei "keine rechte Haltung", gab die Würdige Mutter zurück; die Klassenschwester habe sich doch dieses Geschenk gewünscht. Es sei ihr auch sehr peinlich, daß sie nun das Bild wieder abbestellen müsse. Sie habe es schon zum Rahmen gegeben. Etwas erstaunt und betreten zogen die Mädchen ab.