J. B., Wien, im Oktober

Die österreichische Bundesregierung wird demnächst in den USA eine Anleihe im Betrag von etwa 500 Mill. S auflegen. In der Schweiz wird zur Konsolidierung eines Bankenkredits an die österreichische Energiewirtschaft mit einer gewissen Aufrundung nach oben gleichfalls eine Emission angeboten werden. Die Anleihe wird 40 Mill. sfrs zu 5 v. H. Zinsen p. a. bei 99 v. H. Begebungskurs und elf Jahren Laufzeit betragen. Die Garantie übernehmen die Republik Österreich und die Verbundgesellschaft; der Anleihedienst ist außerdem durch vertraglich festgelegte Stromlieferungen der österreichischen Verbundgesellschaft an die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) gesichert. – Die Anleihe,wird der Tauernkraftwerke AG Salzburg gewährt, mit 30 Mill. sfrs zur Konsolidierung zweier kurzfristiger Kredite, während der Rest zur Fertigstellung des Salzachkraftwerkes Schwarzach verwendet werden wird. –

Deutsche Banken haben an österreichische Institute Zwischenkredite gegeben, abgesehen von der deutschen Einschaltung für einen Kredit der Weltbank an die Vorarlberger Illwerke im Betrag von 15 Mill. DM. Für größere Anleihen der österreichischen Energiewirtschaft erkundet man eben die Aufnahmebereitschaft des deutschen Marktes.

Die Kreditwürdigkeit Österreichs im Ausland ist gestiegen; für Wien wieder ist ausländisches Kapital interessant, weil man für die großen Investitionen, insbesondere die Kraftwerkbauten, nicht genug Mittel im Inland aufbringen kann und hierfür auch über dem internationalen Niveau liegende Zinsen aufwenden muß; die Anleihen des letzten Jahres wurden (mit einer mißglückten Ausnahme zu 6 1/2 v. H.) noch immer mit 7 v. H. aufgelegt, wenn auch jetzt gewisse Zeichen für eine Herabsetzung des Zinsfußes sprechen; die österreichische Bankrate beträgt seit dem 17. November 1955 5 v. H. (vorher 4 und 3 1/2 v. H).

Seit der Stabilisierung des Schilling, also seit 1952, wurden etwa fünf Milliarden österreichische Schilling Auslandgeld hereingenommen, davon gut 1 Mrd. S Bundesanleihen und über 3 Mrc. S verschiedene andere Kredite mit Bundesgarantie. In dieser Summe sind mit einem nicht sehr großen Anteil auch kurzfristige Kredite enthalten, die inzwischen zum Teilauch wieder zurückgezahlt wurden, so z. B. Baumwollkredite der Export- Importbank, Washington, Wollkredite der Hambros-Bank in London, ein Warenkredit der Niederländischen Handels-Maatschappies, Warenkredite der Dresdner Bank, der Rotierdamschen Bank usw. Von großer Bedeutung varen auch Schweizer Kredite zum Ausbau der Arlbergstrecke der Bundesbahnen, für Investitionen in den Vorarlberger Iiiwerken usw. Bemerkenswert erscheint auch ein DM-Kredit für das Kleine Walsertal.

Es ist festzuhalten, daß Österreich auch schon vor Zustandekommen des Staatsvertrages einige Auslandkredite erhielt, wenn auch erst in den letzten Jahren die kapitalmäßige Verbindung mit der westlichen Welt richtig in Gang gekommen ist. Eine Voraussetzung war, die Bereinigung der alten Vorkriegsschulden auf der Londoner Schuldenkonferenz vom Dezember 1952. Auch bei der Weltbank ist man erst nach und nach zum Zuge gekommen, und hier ist besonders ein Kredit an die österreichische Privatindustrie interessant, der mit einer bereits gewährten und einer erhofften Tranche etwa 500 Mill. S für große Investitionen ins Land bringt. Zur Vermittlung dieser Kredite wurde in Österreich eine neue Bankanstalt, die Investitionskredit AG ins Leben gerufen, deren Aktienkapital von ursprünglich 10 jetzt auf 40 Mill. S erhöht wird, wozu noch 80 Mill S eines mit nur 1 v. H. verzinslichen Counterpart-Kredites auf sozusagen unbeschränkte Zeit als Quasi-Eigenmittel kommen.

Es hat natürlich die österreichische Kreditfähigkeit im Ausland günstig beeinflußt, daß die Liberalisierung des Außenhandels keine Schwächung der Zahlungsbilanz zur Folge hatte und daß auch die Reparationen an die Sowjetunion erwiesenermaßen aus der durch den Staatsvertrag verbesserten Gesamtkapazität herausgeholt werden können. Wenn auch die Handelsbilanz, sozusagen nach Vorkriegstradition, wieder passiv ist, so bringt doch der Fremdenverkehr (mit mehr als der Hälfte westdeutschen Gästen) immer mehr ein, und zusammen mit dem Kapitalzufluß ergibt sich eher eine Devisenschwemme als eine Devisennot. Die valutarischen Reserven der Nationalbank decken zur Zeit ungefähr ein Halbjahresvolumen an Importen. Das ist also ein Bestand, der nicht nur die Fortsetzung der liberalen Handelspolitik, sondern auch den Transfer von Kapitalrückzahlungen und Zinsen gewährleistet.