In der "Bibliothek der antiken Welt" wird ans nun zum 2000. Geburtstag des Dichters vorgelegt:

Ovid: "Metamorphosen", deutsch von Hermann Breitenbach; Artemis-Verlag, Zürich; 1220 S., 29,80 DM.

Es ist eine Ausgabe, die uns vorzüglich dient und allen Alt- oder Halblateinern beim Lesen weiterhilft, denn ihre deutsche Vers-Übersetzung dem lateinischen Text gegenüber ist genau, gewandt, geschmackvoll: Hermann Breitenbach verdient für diese Leistung langer Jahre Dank und Anerkennung. Die Laien sollen sich freuen an dem Buch und nach ihm greifen, noch bevor die Fachleute ihr endgültiges Urteil in Erz gegraben haben.

Die Metamorphosen des unglücklichen römischen Dichters Ovid, der aus einem nicht recht zu erhellenden Grunde vom Kaiser ans Gestade des Schwarzen Meeres, nach Tomi, heute Konstanza, verschickt wurde, wo er trotz Klagen und Bitten bis zum Tode, leidend unter Barbaren, ausharren mußte, er, der in seinen frühen Dichtungen die Menschen das Glück gelehrt hatte ... Welch eine Wendung, welch eine Wandlung seines Schicksals! Vergil und Horaz hatten Gunst und Huld desselben Augustus erfahren, der Ovid aus Rom entfernte und ihm gegenüber hart blieb.

Die Metamorphosen (Verwandlungen), als Epos gemeint, sind, was völlig gleichgültig ist, kein Epos, aber eines der köstlichsten Werke der alten Welt. Außer der Bibel hat kein Buch die bildenden Künstler dermaßen zu Schöpfungen angeregt wie dieses, in welchem die Götter des Olymps und die Sterblichen ihre Schicksale ineinander verschlingen. Ein Beispiel: Ovid erzählt von der Liebe Apollons in Daphne; der Gott verfolgt das scheu entfliehende Mädchen.

"Ach, du weißt es ja nicht, du Verblendete, willst es nicht wissen,

Wem du entfliehst, drum fliehst du!