Von Herbert Hupka

Wer die selber erlebte und erlittene Geschichte als Historiker oder Politiker darzustellen versucht, wird trotz noch so energischem Bemühen um Objektivität seinen subjektiven Standpunkt nicht verleugnen können. Dies gilt in besonderem Maße für:

Wenzel Jaksch: "Europas Weg nach Potsdam"; Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart; 524 S., 15,80 DM.

Boris Celovsky: "Das Münchener Abkommen 1938"; Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart; 518 S., 26,– DM.

Jaksch stammt aus dem Böhmerwald, er ist Sudetendeutscher. In Wien wurde er vor dem ersten Weltkrieg Sozialdemokrat. Neun Jahre war er Mitglied des tschechoslowakischen Parlaments, 1938 emigrierte er nach London, seit 1953 ist er Mitglied des Bundestages. Boris Celovsky stammt aus Mährisch-Ostrau, ist Tscheche, um 27 Jahre jünger als Jaksch, ist 1948 nach dem kommunistischen Putsch emigriert, lebt heute als Historiker in Kanada.

Jaksch und Celovsky sind beide Gegner des Münchener Abkommens, der eine als Demokrat, der sich gegen die Kapitulation der demokratischen Mächte vor der Diktatur aufbäumt, der andere als Nationaltscheche, der in München die größte Katastrophe des jungen tschechoslowakischen Staates sieht. Aber im übrigen sind beider Standpunkte offenbar unvereinbar.

Jaksch nennt sein Buch im Untertitel "Schuld und Schicksal im Donauraum". Es ist die Darstellung der Auseinandersetzung zwischen Wien und Prag, zwischen dem Vielvölkerstaat, dem Jaksch mit beredten Worten nachtrauert, und dem Tschechoslowakismus eines Masaryk und Benesch, denen seine ganze Abneigung gehört.