Dd, Mainz

Am letzten Sonntag riß ein im Morgengrauen aus Richtung Ludwigshafen heranbrausender Touropa-Schnellzug kurz vor dem Bahnhof Mainz-Süd die elektrische Fahrleitung auf etwa 800 Meter ein und kam dann zum Stehen. Der Zug mußte mit einer Dampflokomotive weitergezogen werden; zwei Stunden Verspätung waren die Folge. Auf dem Abschnitt Mainz-Oppenheim der Fernstrecke Köln–Mainz–Karlsruhe ruhte der Zugverkehr bis in die Mittagsstunden.

Nach einer Verlautbarung der Bundesbahndirektion Mainz fanden die Techniker, die nach der Ursache der Störung suchten, an der Bruchstelle der Fahrleitung einen toten Vogel. Dieser Vogel hat nach Ansicht der Bundesbahntechniker unter einer Brücke auf der Fahrleitung gesessen und vermutlich – unter Verletzung mehrerer Bestimmungen der Eisenbahnbetriebsordnung – geschlafen. Er hat damit "den Rhythmus in den Schwingungen der Fahrleitung gestört". So sprang beim Herannahen des Zuges ein Funken auf die Brücke über, es kam zu einem Kurzschluß, und die Leitung riß.

Damit wäre erneut bewiesen, welche Schwierigkeiten die Bundesbahn bei ihren Bemühungen um die Rationalisierung und Modernisierung des Streckennetzes zu überwinden hat.

Wie können unsere öffentlichen Verkehrsmittel sich die technischen Fortschritte des zwanzigsten Jahrhunderts zunutze machen, solange noch tierische Organismen unkontrolliert durch die Luft schweben und dazu noch das bundeseigene Leitungsmaterial zum Nachtasyl entwürdigen?