Von Johannes Jacobi

Bemerkenswert sind Stilübungen von Autoren, denen es nicht so sehr um Erfolg (und Massenkommunikationsmittel), als um künstlerische Wirkungen geht. Ein solcher Mann ist der Schweizer Max Frisch. Zuletzt wurde in der ZEIT von der Bühnenfassung berichtet, die seine Brandstifter-Story als „Biedermann und die Brandstifter“ im Frühjahr 1958 gewonnen hatte (Uraufführung in Zürich). Jetzt, bei der bundesdeutschen Erstaufführung desselben Stückes in Frankfurt am Main, ist ein neues Nachspiel (Biedermann in der Hölle) hinzugekommen.

Diese vierte Werkfassung erinnert daran, daß der Stoff von Frisch zunächst als Prosa-Farce erzählt und dann zu einem Hörspiel ausgearbeitet worden war. Hier handelt es sich einmal nicht um Auswertungsindustrie, sondern um einen „Weg zur Form“.

Wie Wedekind für Dürrenmatt, so ist für Frisch Bert Brecht zum Anreger geworden. Im Bühnen-„Biedermann“ wurde das Bekenntnis offenkundig. Den Untertitel „Ein Lehrstück ohne Lehre“ könnte man übersetzen: Brecht ohne Kommunismus.

Frisch stieß in „Biedermann und die Brandstifter“ vor zu einer als Handlung in sich geschlossenen – wenn man will: realen – Komödie. Herrn Biedermanns Häuslichkeit mit Frau und Dienstboten, seine Berufspraxis als Haarwasserfabrikant, der seinen Mitarbeiter in den Selbstmord treibt – das alles stellt sich in einem runden Einakter dar. Auch die, beiden Brandstifter – der Ringer Schmitz und der Kellner Willi Eisenring – sind ergötzlich komisch eingefügt in eine dramatische Konzeption, die sich – sollte man meinen – dem Zuschauer aus sich selbst erklärt.

Frisch hat jedoch neben dem Typenrealismus auch den „epischen“ Zeigestock Brechts verschluckt. So läßt es ihm keine Ruhe, ob der Zuschauer deutlich genug hingewiesen werde auf das, was der Autor meint. Ein Chor der Feuerwehrmänner à la Dürrenmatt, die die Gefahr wohl sehen, aber nicht löschen können, es brenne denn schon, war in der Zürcher Frühjahrsfassung bereits ein komisch „verfremdendes“ Element. In der 58er Spätlese des „Biedermann“ – Frankfurter „Nachspiel“ – wurde die Satire ausgebaut.

Jetzt ist Kellner Eisenring der „Herr der Hölle“ und Ringer Schmitz der Heizer Beelzebub. Biedermann-Gottlieb und Frau Babettchen zittern in der Vorhölle. Sie verstehen gar nicht, wieso sie nicht in den Himmel hineingestorben sind, haben sie doch stets die Zehn Gebote, wenigstens im großen und ganzen, gehalten.