Abschied vom "Pastor Angelicus" – Trifft die Prophezeiung des Malachias ein?

Rom, im Oktober

Das große weiße Licht", wie ein liberaler italienischer Schriftsteller Papst Pius XII. genannt hat, ist verlöscht. Die Römer und viele Angehörige anderer Nationen, die in endloser Wallfahrt am toten Pontifex in St. Peter vorbeiströmten, hat das Gefühl einer Verlassenheit ergriffen. Es ist, als ob man erst jetzt, da seine seraphisch wirkende Erscheinung nicht mehr da ist, Eugenio Pacellis wahre Größe erkannt hätte.

Die Huldigung, die ihm Hunderttausende bei seiner letzten Fahrt durch die Ewige Stadt entgegenbrachten, war ein starker Beweis dafür, wie sehr das Antlitz dieses Papstes und die unnachahmliche Anmut seiner segnend erhobenen Hände den Menschen zum Symbol des Friedens und der fürsorgenden Liebe geworden waren. Der nüchterne römische Spruch: "Morto un Papa, se ne ja un altro" (Wenn ein Papst gestorben ist, gibt es einen neuen), hat die Leere, die durch den Tod Pius XII. entstanden ist, nicht so schnell zu überbrücken vermocht.

Das widerlegt die oberflächliche Deutung, Eugenio Pacelli sei vor allem ein politischer Papst gewesen. Die Massen hörten in seinen sanften, eindringlichen Worten nicht die Weisungen eines klugen Staatsmannes, sondern die Stimme des guten Hirten. Das sollte jenen zu denken geben, die heute nach einem "religiösen" oder "mystischen" Nachfolger auf dem Thron Petri rufen.

Seit dem Mittelalter hat die katholische Kirche ihr öffentliches Amt nicht mehr so ausgedehnt wie in den letzten 50 Jahren. Zweifellos hat dieses Amt unter Pius XII. sein größtes Ausmaß erreicht. Mit seinen Enzykliken und Reden an die unterschiedlichsten nationalen und beruflichen Gruppen hat er eine Art von modernem Kodex für die katholische Kirche geschaffen, den seine Nachfolger nicht unberücksichtigt lassen können. Unermüdlich appellierte er an das Gewissen der Gläubigen, sich nicht im privaten Leben und im "Herrgottswinkel" zu verkapseln, sondern ihr Mitbestimmungsrecht an der Gestaltung von Staat und Gesellschaft auszuüben. Mit einer Politisierung der Kirche oder einer Klerikalisierung des Staates hat diese Forderung, die von keinem "religiösen" neuen Papst zurückgenommen werden wird, nichts zu tun.

Wohl aber scheinen Akzentverschiebungen in den vielfältigen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den weltlichen Mächten möglich zu sein. Die Bilanz, die Rom jetzt unter sein Soll und Haben zieht, zeigt während des Pontifikats Pius XII. in der westlichen Welt einen großen Gewinn – nicht nur an Proselyten, sondern auch an Einfluß und moralischer Autorität. Auch im Schwarzen Afrika hat Rom an Boden gewonnen. Immer wieder hatte Pius XII. die Universalität der von ihm geführten Kirche betont. Sie will nicht allein die Kirche des weißen Mannes, sondern die aller Rassen sein. Sie ist von allen kolonialistischen Denkschemen gänzlich abgerückt.