Wahrscheinlich zum erstenmal in der Geschichte der amerikanischen Börse waren es auch die "kleinen Leute", die – neben den Versicherungs- und Fürsorgeinstitutionen – durch die Kursentwicklung am meisten profitierten. Die eigentlichen Berufsspekulanten – die, gemäß den "goldenen" Regeln der Börse, auf Grund des sich abzeichnenden Konjunkturrückschlages gegen Ende 1957 auf Baisse zu spekulieren begannen – erlitten nämlich z. T. erhebliche Verluste; sie können als die eigentlichen Geprellten dieser Börsenrunde bezeichnet werden.

Natürlich stellt sich die Frage, ob diese extrem gesteigerte Nachfrage nach Aktien, infolge heute noch unvoraussehbarer politischer oder wirtschaftlicher Ereignisse, früher oder später nicht durch eine ebenso extreme "Verkaufswut" von Seiten der vielen Kleininvestoren abgelöst werden könne. Dies hätte – ähnlich wie 1929/30 – einen entsprechenden Kurssturz zur Folge und könnte sogar zu einen regelrechten Börsenkrach führen. Ein solcher Analogieschluß zur Entwicklung in den dreißiger Jahren erscheint indessen auf Grund weiterer Strukturwandlungen an der Börse als unwahrscheinlich.

Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges und selbst in den unmittelbaren Nachkriegsjahren war die Börse – selbst für den Laien – vorwiegend ein Betätigungsfeld für seine Spekulationslust. Man hoffte ganz allgemein, aus den kurzfristigen Schwankungen der Kurse – durch rasches "Einsteigen" in ein Geschäft und ebenso rasches "Aussteigen" daraus – einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

Dieses Ziel beherrscht zwar immer noch das Verhalten der eigentlichen Berufsspekulanten, nicht mehr hingegen das Verhalten der Millionen von Kleininvestoren. Diese betrachten in der Mehrzahl der Fälle die "Aktie" nicht mehr als kurzfristiges Spekulationsobjekt, sondern als langfristige Kapitalanlage. Sie erwerben nunmehr ihre Aktien aus dem gleichen Grund, der sie etwa bewegt, eine Versicherung abzuschließen oder ein Sparkonto bei einer Bank zu eröffnen. Sie denken daher primär auch gar nicht daran, die erworbenen Papiere bei der erstbesten Gelegenheit wieder abzustoßen.

Warum tun sie das? Es gibt zwei wichtige Erklärungsgründe hierfür:

1. Die Erwartung einer dauernden Geldentwertung. Noch nie war in den Vereinigten Staaten die Furcht vor der Inflation so groß wie jetzt. Die Preisentwicklung seit dem Oktober des letzten Jahres hat die Angst vor einer sich in Zukunft sogar noch akzentuierenden Inflation verstärkt.

"Wenn die Preise und Löhne selbst bei schlechter Konjunktur steigen", so bemerkt man im allgemeinen, "was wird dann erst geschehen, wenn die Wirtschaft wieder auf vollen Touren läuft?"