Die 5 1/2prozentige Bundesbahn-Anleihe (über 400 Mill. DM) hat zu einer Normalisierung auf dem Rentenmarkt beigetragen. Sie ist die erste Emission, die den Banken nicht mehr ‚aus den Händen gerissen wurde", wie sich die Berliner Bank in ihrem jüngsten Börsenbericht ausdrückt. Es besteht zwar kein Zweifel daran, daß die Bundesbahn-Anleihe voll untergebracht werden kann, aber die Banken haben feststellen müssen, daß die breite Kundschaft zur Zeit erst wenig geneigt ist, den niedrigeren Zinssatz zu akzeptieren. Soweit die Rentenkäufer in ihren Dispositionen frei und nicht unbedingt auf mündelsichere Emissionen angewiesen sind, können sie sich jetzt wieder Zeit lassen und sich den Emittenten aussuchen, denn eine weitere Zinssenkung steht vorerst nicht in Aussicht. Die Industrie beginnt, ihre Zurückhaltung bei der Aufnahme neuer Anleihen aufzugeben, so daß ein neuer Materialmangel in nächster Zeit nicht zu befürchten ist. Da andererseits in diesem Jahr sehr frühzeitig auf den Jahresultimo disponiert wird, der eine erhöhte Liquidität verlangt, und sich außerdem die Banken für die Aufnahme neuer Emissionen durch vorsichtiges Abstoßen alter Rentenbestände vorbereiten, ist der Überdruck vom Rentenmarkt gewichen. Mindestens bis zum Jahresende rechnet die Börse mit "normalen" Verhältnissen. Ob danach die alten Zinssenkungsfaktoren, die hohe Sparquote und die anhaltenden Liquiditätszuflüsse, wieder wirksamer werden, muß abgewartet werden. Die Bundesbank ist jedenfalls bemüht, die Politik der Zinssenkung weiter zu betreiben.

Zur allgemeinen Erleichterung aller Bankers scheint auch der Aktienmarkt in ein ruhigeres Fahrwasser einzulenken. Die Mahnungen auf dem Kölner Bankiertag sind nicht ohne Nachwirkungen geblieben. In den letzten Tagen war die Grundtendenz zwar nach wie vor freundlich und widerstandsfähig, aber die massierten kurstreibenden Käufe blieben in den Hauptwerten aus. Nicht dagegen bei einigen Spezialpapieren, so z. B. bei dem Stahlwerk Südwestfalen, wo zwei Aktionärsgruppen um die Majorität ringen sollen. Die Masse der Börsenspekulation ist sehr vorsichtig geworden. Und auch das Ausland beteiligt sich kaum noch am Geschäft.

Dennoch werden die Zukunftsaussichten des Aktienmarktes trotz der jetzt erreichten holen Kurse nach wie vor positiv beurteilt. "Schwierige" Papiere, wie die Montanaktien, finden zu steigenden Notierungen Käufer, weil man mit unveränderten Dividenden rechnet. Auch bei den Bergwerksgesellschaften ist man hinsichtlich der Dividendenzahlungen nicht mehr so pessimistisch wie noch vor einigen Wochen. "Die Kohleunternehmen sind künftig mehr als bisher auf den Kapitalmarkt angewiesen, wenn sie ihre Investitionen finanzieren wollen. Er wird für sie aber nur geöffnet bleiben, wenn sie die Aktionäre pfleglich behandeln und eine angemessene Dividendenpolitik treiben, die notfalls zu Lasten der Abschreibungen gehen muß!" Das sind – zusammengefaßt – die Argumente jener, die jetzt Aktien der Kohlegesellschaften erwerben. Im übrigen darf bei der Beurteilung der Ertragslage nicht übersehen werden, daß die meisten Kohleunternehmen in den letzten Jahren stark zur Veredelung übergegangen sind. Entweder durch den Bau von Kraftwerken oder durch Einschaltung in die Kohle-Ghemie.

Für Chemie-Aktien ist das Kaufinteresse weiterhin beträchtlich, wenngleich es in den Kursen nur noch einen begrenzten Niederschlag findet. Angefacht wurden die zeitweise zu bemerkenden Käufe durch die Pressekonferenz der Farbwerke. Hoechst, deren Ergebnisse von Optimisten so ausgelegt wurden, daß "sicher" mit einer Dividende von 13 v. H., aber vielleicht noch mit einem Prozent mehr gerechnet werden könne. Die Verwaltung hat sich dazu konkret nicht geäußert.

Großbankaktien konnten sich gut behaupten und schoben sich weiter bis dicht an die 300-Prozent-Grenze heran. Bei den Kursen der Hypothekenbanken ist eine kleine Ernüchterung eingetreten. Die Nachfrage nach den 5prozentigen Pfandbriefen ist schleppend. Da die Institute zu Konzessionen hinsichtlich des Verkaufspreises nur schwer zu bewegen sind, wird man die weitere Marktentwicklung abwarten müssen. Immerhin stört die veränderte Situation die Berechnungen der Optimisten insofern, als Kapitalerhöhungen (wegen Erreichen der Umlaufsgrenze) später notwendig werden, als zunächst angenommen.

Kurt Wendt

Die Mannesmann AG, Düsseldorf, teilt ihren Aktionären in der "Rohrpost" mit, daß das Bilanzergebnis des Konzerns in den ersten sechs Monaten des Jahres 1958 dem des vorangegangenen Jahres gleicht. Das sei erreicht worden durch das gute Ergebnis in der Weiterverarbeitung sowie durch frühzeitige Umstellung auf den Produktionsrückgang. Der Gesamtumsatz bleibt im ersten Halbjahr dieses Jahres nur um 2,6 v. H. hinter dem des ersten Halbjahres 1957 zurück. Rückläufig sind die Umsätze im Kohlenbergbau, in den Rohstoffbetrieben, bei den Röhrenwerken und im Handel; die Ergebnisse der Hüttenwerke seien infolge niedrigerer Rohstoffkosten befriedigend, während die Umsätze der Weiterverarbeitung um 14,3 v. H. höher lägen als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.