Wird der südöstliche Eckpfeiler der NATO zerbersten, wird Griechenland seine Mitgliedschaft im Atlantikpakt kündigen oder "einschlafen" lassen und ins Lager der neutralen Staaten überwechseln? Am Montag hat der griechische Außenminister Averoff sehr massive Warnungen an England gerichtet: das hellenische Königreich werde aus der atlantischen Front ausscheren, wenn London auf der Verwirklichung seines Siebenjahresplan für Zypern bestehe. Die Regierung in Athen und der Sprecher der griechischen Zyprioten, Erzbischof Makarios, die beide inzwischen ihre Forderung nach dem Anschluß der friedlosen Mittelmeerinsel an Griechenland aufgegeben haben und sich mit der Unabhängigkeit der Insel abfinden würden, haben das Maß ihrer Konzessionsbereitschaft erschöpft. Jede weitere Nachgiebigkeit müßte die innerpolitische Stellung des Kabinetts Karamanlis ernstlich gefährden. So wäre es in der Tat leichtfertig, Averoffs Drohung mit dem Austritt seines Landes aus der NATO schlankweg als Bluff abzutun. Käme es aber wirklich zum Abfall Griechenlands, sollten am Ende die Vermittlungsbemühungen des NATO-Generalsekretärs Paul Henri Spaak scheitern und auch die von Makarios erbetenen "guten Dienste" der Bundesregierung keinen Ausweg aus dem Zypern-Konflikt weisen, so würde der atlantischen Gemeinschaft ein empfindlicher Schlag versetzt. Die Karte zeigt es auf den ersten Blick: Es würde dann zwischen der Po-Ebene und der kleinasiatischen Küste eine mächtige Bresche in die NATO-Front geschlagen.