Seit Mitte September ist die Einfuhr von ausländischem Tafelobst in das Bundesgebiet eingestellt worden. Von diesem von Bonn verfügten Importstopp werden in erster Linie Lieferanten im benachbarten europäischen Ausland betroffen, für welche Westdeutschland einen Hauptabsatzmarkt darstellt.

Die Ankündigung dieser einschneidenden Maßnahme fiel zusammen mit dem Beginn der Bozener Messe, die in diesem Jahre zum elften Male seit ihrer Wiedererstehung, und zwar unter starker internationaler Beteiligung – 17 Länder – abgehalten worden ist. Es konnte nicht ausbleiben, daß das Ergebnis der Messe durch die enttäuschende Verfügung des westdeutschen Ernährungsministeriums beeinträchtigt worden ist, wenngleich die Aussteller im allgemeinen nicht unzufrieden waren. Die Südtiroler Wirtschaft hatte sich nach der Herauslösung aus dem österreichisch-ungarischen Staatenverband zwangsläufig auf neue Märkte umstellen müssen. Damals erfuhr der Ansau von Obst in den fruchtbaren Tallandschaften des Oberetschgebietes eine starke Erweiterung mit dem Ergebnis, daß heute in diesen Landstrichen Obstsorten gezüchtet werden, die in Europa qualitativ eine Spitzenstellung einnehmen. Seit mehr als dreißig Jahren ist Deutschland zum wichtigsten Absatzmarkt für Südtiroler Edelobst geworden. Unglücklicherweise ist gleichzeitig der Apfelsegen auch in Süd- und Südwestdeutschland iberdurchschnittlich hoch, so daß die Erzeugerpreise an den innerdeutschen Märkten stark abfielen. Auf Grund der bestehenden vertraglichen Abmachungen ist Bonn berechtigt, den Import zu stoppen, wenn der Großhandelspreis für bestimmte Apfelsorten unter 38 DM je dz sinkt. Dieser Fall ist nun eingetreten.

Die dadurch herbeigeführte Ausschaltung des Wettbewerbes begünstigt einseitig die deutsche Landwirtschaft; sie bedeutet aber für die betroffenen ausländischen Lieferanten eine ungewöhnliche Härte. Die Fernhaltung des wegen seiner Güte besonders geschätzten ausländischen Edelobstes dürfte insofern verfehlt sein, als die Konsumenten, die heute sehr hohe Ansprüche geltend machen, ihrerseits gar nicht bereit sind, sich nunmehr verstärkt dem Angebot aus inländischer Ernte zuzuwenden. Die Einfuhrsperre steht zudem in einem diametralen Gegensatz zu den Bemühungen, einen gemeinsamen europäischen Markt zu schaffen. Es ist zu hoffen, daß das Bundesernährungsministerium den getroffenen Importstopp nur so lange aufrechterhält, als dies – wenn man schon für die Schutzwürdigkeit des deutschen Obstanbaues eintritt – unbedingt erforderlich erscheint, kt

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Wilhelm Bierfelder: Schriftenreihe "Marktwirtschaft und Verbrauch", Band 8, "Wege und Irrwege mathematischen Denkens in Wirtschaftstheorie und Unternehmungspolitik". 109 S., 7,50 DM. Gesellschaft für Konsumforschung e. V., Nürnberg, Burgschmietstraße 2.

Wilhelm Wernet: über die Lehrlingshaltung im Handwerk in wirtschaftlicher Sicht. Beiträge zur Handwerksforschung, Band 2. Handwerkswissenschaftliches Institut, Münster/Westf., 121 S.