Worüber sich die sechs Länder des Gemeinsamen Marktes geeinigt haben und was offen bleibt

Von Jacques Stohler

Obwohl Außenminister Couve de Murville am letzten Samstag vor dem Europarat im Namen Frankreichs erneut Vorbehalte gegenüber der Freihandelszone geltend machte, hat in diesen Tagen die europäische Wirtschaftsintegration ihre erste größere Krise überstanden, es steht jetzt fest, daß das Gespräch über die Freihandelszone nicht mehr abreißen wird. Seit de Gaulle das Ruder des französischen Staatsschiffes ergriffen hatte, war im Gebälk der Europa-Organisationen ein verdächtiges Knistern zu vernehmen: war der General nicht ein so ausgeprägter Exponent ewiger europäischer Antagonismen, daß er die europäischen Einigungsbestrebungen ihres Schwungs berauben und die deutsche Bereitschaft in Skepsis verwandeln würde? Daß die Krise ernst war, ging auch aus den großen Hoffnungen hervor, welche die Sowjetführung in die neue deutsch-französische Konstellation und in die Chance setzte, daß der wirtschaftliche Zusammenschluß auf dem Reißbrett steckenbleiben würde.

Toter Punkt überwunden

Mit den Beschlüssen der letztwöchigen Tagung des Ministerrates der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ist ein toter Punkt auf dem Weg zur Integration überwunden worden. Den Beschlüssen kommt eine doppelte Bedeutung zu. Sie liegt darin, daß

– zwischen den Partnern der EWG eine Einigung zustande gekommen ist, und

– alle Mitglieder der EWG unter gewissen Bedingungen dem Zustandekommen der Freihandelszone der 17 OEEC-Länder zugestimmt haben.