Klein- und Großbetriebe müssen zusammenarbeiten

Auf dem Deutschen Bankiertag, der in der vergangenen Woche in Köln stattfand (vgl. unseren Bericht Seite 13 "Europäische Zentralbank – vorläufig noch Utopie"), hat Bundeskanzler Adenauer erneut vor einer weiteren Konzentration in der deutschen Wirtschaft gewarnt. Die Art und Weise, in der der Bundeskanzler seine Warnung aussprach, deutet darauf hin, daß dieses Thema in den wirtschaftspolitischen Überlegungen der Bundesregierung mittlerweile einen vorrangigen Platz eingenommen hat. Aber auch anderenorts ist man um eine Lösung dieser Frage bemüht.

Der Verlauf des CDU-Parteitages läßt erwarten, daß in den nächsten Monaten viel über Mittelstand und Unternehmens-Konzentration gesprochen wird. Die Unternehmens-Konzentration ist ein durchaus selbständiges Problem, das sich vor allem dort stellt, wo die neuzeitliche Technik große und kapitalintensive Produktionseinheiten verlangt. Diese Unternehmen sind einerseits bestrebt, eine regelmäßige Versorgung für ihren großen Bedarf an Grundstoffen zu sichern; anderseits stellen sie oft eine Mehrzahl von Produkten in mehreren Veredlungsstufen her. Es handelt sich vor allem um die Wirtschaftszweige Stahl, Kohle und Schwerchemie; d. h. den Bereich der "großen" Aktiengesellschaften. Die Konzentration vollzieht sich durch Einflußnahme auf andere Unternehmen von Beteiligungen bis zur Fusion. Die steuerlichen Vorschriften über Organschaft und Schachtelprivileg und die Begünstigung der Selbstfinanzierung fördern derartige Tendenzen. Daneben findet die Konzentration ihren Ausdruck in der Verflechtung von Aufsichtsrats- und Vorstandssitzen.

Diese Art von Konzentration berührt das Mittelstandsproblem nicht direkt. Die erwähnten Produktionsbereiche lassen sich aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht "mittelständisch" (d. h. als Einheit von Kapitalbesitz und verantwortlicher Unternehmensführung) organisieren. Von der Gesamtwirtschaft her gesehen, dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen der Konzentration daher weniger schwerwiegend sein als die gesellschaftspolitischen. Da man die Technik, die zu derartigen Großunternehmen und ihrem Zusammenspiel drängt, nicht abschaffen darf, wenn rational gewirtschaftet werden soll, liegt das Problem dieser Konzentrationen in der Verhütung des Mißbrauchs von Marktpositionen.

Expansion der Großen

Andere Konzentrations-Vorgänge betreffen dagegen den Mittelstand unmittelbar. In Kreisen der Mittel- und Kleinindustrie (und über 85 v. H. der industriellen Betriebe arbeiten mit weniger als 100 Beschäftigten) werden je länger je mehr Übergriffe größerer Unternehmen in typische Produktionsbereiche mittelständischer Einzelunternehmer beklagt. Diese Art von Expansion wird häufig durch die Wirtschafts- und Steuerpolitik verstärkt, oder sogar ausgelöst. Ein typischer Fall ist die Eigenfertigung bisher von anderer Seite bezogener Teile zwecks Einsparung der Umsatzsteuer. Aber auch Unterschiede in den Kreditbedingungen oder in den Abschreibungsmöglichkeiten können den kleineren Betrieb benachteiligen und den größeren zum "Übergreifen" veranlassen.

Eine wirkliche Mittelstandspolitik sollte Rechtsnormen, die der "Konzentration" Vorschub leisten, ändern. Gerade die Zulieferung von Teilen ist eine typische Betätigung für Mittel- und Kleinbetriebe. Eine Umsatzsteuer von 2 statt 4 v. H. würde den Anreiz zur Konzentration entscheidend mindern; leider ist die Umsatzsteuer gerade das Rückgrat der Bundesfinanzen.