Goethe hat einmal gesagt, Bildung sei daran zu ermessen, ob jemand sich seiner geistigen Herkunft bewußt sei, ob er also seine eigenen Wurzeln kenne. Je weiter zurück das Geschichtsbewußtsein reiche, desto höher sei der Stand der Bildung. Daran mußte ich denken, als ich las, daß die SED, die 1950 das Berliner Schloß, dieses Wahrzeichen preußischer Geschichte, hatte abtragen lassen, jetzt auch noch Schönhausen, Bismarcks Stammsitz, sprengen ließ. Man löscht die eigene Geschichte aus, während der Hofpoet Johannes R. Becher den fremden Sklavenhaltern lyrische Hymnen widmete.

Nach der kommunistischen Eintopf-Mythologie ist Ulbricht offenbar direkt dem Kopf Lenins entsprungen, denn vor ihm gab es angeblich nur die Finsternis der Urschöpfung. Zwar haben diese geschichtslosen Gesellen, als sie 1956 – ausgerechnet am 18. Januar, dem preußischen Krönungstag – die Schaffung einer "nationalen Volksarmee" proklamierten, durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten Stoph verkünden lassen: "Die Vorbilder unserer Soldaten sind die großen Patrioten der deutschen Geschichte: Scharnhorst, Blücher, Gneisenau..." Aber das war natürlich erstens gelogen und zweitens nur Propaganda.

Ohne Geschichtsbewußtsein kann kein Volk leben. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß der "Staat" dieser geistigen Bastarde keinen Bestand haben kann, so hat die SED ihn jetzt wieder einmal von neuem erbracht. Dff