Wird Deutschland den Platz Nationalchinas unter den "Fünf Großen " einnehmen?

Von Robert Strobel

Unser Bonner Korrespondent, Dr. Robert Strobei, begleitet den Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard auf seiner Reise in acht asiatische Länder: Indien, Burma, Thailand, Vietnam, Korea, Japan, Ceylon und Pakistan. Hier der erste Bericht, der sich mit den Problemen der Bretton-Woods-Institute beschäftigt.

Neu Delhi, im Oktober

Wenn, wie vergangene Woche in Neu Delhi, etwa 60 Notenbankpräsidenten und ungefähr ebenso viele Finanz- und Wirtschaftsminister aus aller Welt zusammenkommen, dann ist in der Regel das Gespräch hinter den Kulissen wichtiger als die öffentlichen Reden im Konferenzsaal. Professor Erhard, der Präsident der Bundesbank Blessing, und andere Mitglieder der deutschen Delegation haben in Neu Delhi von dieser Chance reichlichen Gebrauch gemacht. Auf dem dicht besetzten Terminkalender Erhards standen neben den Namen des Weltbankpräsidenten Black, des amerikanischen Finanzministers Anderson und des Unterstaatssekretärs Dillon eine ganze Reihe indischer Namen, so daß Erhard die Probleme der Entwicklungsländer aus mehrfacher Sicht betrachten konnte.

Dazu kam der gespenstische Anschauungsunterricht des Tagungsortes mit der ganzen Not und Armut eines solchen Entwicklungslandes. Hier konnte sich keiner dem Eindruck entziehen, daß man die Dinge nicht laufen lassen und daß man sich dabei nicht von ausschließlich ökonomischen Erwägungen leiten lassen darf, weil sonst der "Sieg" auf diesem entscheidenden Schlachtfeld des Kalten Krieges von Chruschtschow und Mao Tse Tung errungen werden könnte. Es war nur folgerichtig, daß sich Professor Erhard nicht nur für die politischen und wirtschaftlichen Seiten der von Nehru zu bewältigenden Aufgaben, sondern auch für die psychologischen, religiösen und philosophischen Aspekte interessierte, die den Rahmen der Lösungsmöglichkeiten bestimmen. So wurde manches verständlicher, was aus der Ferne leicht in schablonenartiger Wertung erscheint.

Monroney bleibt aktuell