Ich weiß, es steht mir ein langer, erbitterter Kampf in der Garderobe bevor. Es geht um eine Fernsehaufnahme, ein Gespräch zu dritt, eigentlich eine ganz harmlose Sache, aber die Redakteure, Operateure, Friseure – Hypnotiseure möchte man sie alle miteinander nennen, denn sie sind aufs Beschwören eingeschworen – sie alle tun ihr Bestes, die Sache so spannend wie möglich zu machen.

Der Kampf beginnt, als ich dem Friseur und Schminkeur gegenüber stehe, denn ich bin entschlossen, mir nicht mit fremden Fingern Fett ins Gesicht reiben zu lassen. Meine beiden Gefährten sind von ähnlichem Widerwillen erfüllt, haben aber keine Argumente. In ihrer eigenen Welt heimisch und herrisch, sind sie in dieser fremden Welt eines Schönheitssalons im Handumdrehen bis zur totalen Hilflosigkeit entwaffnet. Sie sitzen auf ihren Stühlen, das Gesicht zurückgelegt und werden gefettet, geschminkt, gepudert und gebürstet, weil das Fernsehauge nicht duldet, daß sie mit ihrem natürlichen Aussehen auftreten.

Ich aber habe meine Argumente. Ich lege dar, daß ich sehr braun gebrannt bin, daß ich mich extra, um mich hier nicht dunkel schminken lassen zu müssen, auf Sylt habe braunbrennen lassen, ich will keine künstliche Bräune und kein Fett ins Gesicht. Der Meister des Make-up mustert mich voller Trauer. Er spürt meinen Bock, und daß da wenig zu machen ist. Er verlegt sich aufs Handeln. Nach zehn Minuten sind wir handelseins. Er darf mich nur pudern. Ich bin zu braun, das "kommt nicht", ich muß heller sein. Ich habe bei der Bräunung auf Sylt die genau richtige Tönung verfehlt. Ich lehne mich gehorsam zurück, schließe die Augen und mache sie, von einer düsteren Ahnung gerissen, gleich wieder auf. Er hält den Salbtopf in der Hand, an seinen Fingern klebt bereits die kosmetische Substanz, die fettige, verhaßte, und ich schnelle empor. Das ist gegen die Abmachung, ich dulde kein Fett! Der Kampf beginnt von neuem: der Puder wird nicht haften ohne Fett. Gewiß, ich werde nur gepudert, aber ohne etwas Fett haftet der Puder nicht.

Ich finde mich einem unerbittlichen Gegner gegenüber, unerbittlich, weil er ein braver Mann ist, der zum Schminken und Pudern, Fetten und Bürsten da ist und dafür kämpft, daß er seinen Beruf getreu und kunstgerecht ausüben darf. Ich kann nicht geltend machen, daß ich meinerseits meinen Beruf, meine Berufung im Nichtgeschminktwerden sehe. Für ihn ist es eine Haupt- und Existenzfrage, für mich eine Nebensache. Ich gebe nach.

Zehn Minuten später landen wir im Atelier. Wir haben eine große Konzession bereits auf dem Wege von Vorverhandlungen gewonnen: die Regie hat sich unserer Forderung gebeugt, unser Gespräch – das wir ja natürlich unter uns sorgsam durchgesprochen haben – ohne Probe, ohne eine einzige auch nur, abzuhalten. Denn die Proben verderben alles. Man wird von Probe zu Probe schlechter, befangener, müder. Wir wollen frischweg draufloslegen.

Wir sind voller Tatendrang und Gesprächigkeit, unsere Hirne knistern von Mitteilungen und Formulierungen, wir beherrschen unser Thema. Wenn es jetzt gleich anfinge, es könnte nicht schiefgehen. Aber es fängt keineswegs an. Es sind viele, viele Maschinen da, die dafür sorgen, daß viele, viele Hindernisse erstens da, und zweitens zu überwinden sind.

Da ist der Tisch und was darauf liegt, da ist die Sitzordnung und die Stellung der recht unbequemen Stühle. Da sind die Beleuchtungseffekte und die Tonlichkeiten, oder wie man’s nennen mag. Mikrophone, Lichtmesser werden probend hier- und dahin gehalten. Natürlich ist eine Ton- und Stimmprobe wohl doch unumgänglich. Also zerprobt unser Gesprächseinleiter seinen schönen Sermon – der zweite Aufguß wird gewiß um einen Grad weniger gut sein. Sei’s drum!