DIE ZEIT

Maos Marionetten-Menschen

Die große Umgestaltung, die im Reich der Mitte (siehe DIE ZEIT Nr. 39) vor sich geht, nimmt gigantische Formen an. In wenigen Monaten wurden 112 Millionen Bauernhöfe, das sind 90 Prozent der chinesischen Landbevölkerung, in die neugeschaffenen Volkskommunen eingegliedert, die nicht mit Kolchosen zu verwechseln sind, sondern die eine ganz neue wirtschaftspolitische Organisationsform bilden.

Mißverständnis unter den Europäern

Als Professor Müller-Armack, Staatssekretir im Landeswirtschaftsministerium, letzte Woche aus Brüssel nach Bonn zurückgekehrt war, stellte er sich frohen Mutes der Presse.

Wieder Njet

Hinter verschlossenen Türen befaßte sich vor kurzem eine Expertenkonferenz des Institut! für Weltwirtschaft und Außenhandel bei der sowjetischen Akademie der Wissenschaften mit der Frage der deutschen Wiedervereinigung.

Geschichtslose Gesellen

Goethe hat einmal gesagt, Bildung sei daran zu ermessen, ob jemand sich seiner geistigen Herkunft bewußt sei, ob er also seine eigenen Wurzeln kenne.

Washington lernt um

Winston Churchill mit seiner unvergleichliehen Formulierungsgabe hat einmal gesagt: "Weitblick ist unerläßlich, aber es ist schwer, weiter zu blicken, als man, sehen kann.

CDU-Strafgericht

Die CDU im Lande Hessen hat es an politischem Schwung immer ein wenig fehlen lassen. Und wer da in Frankfurt oder in Wiesbaden gefragt würde, welches in der Christlich-Demokratischen Partei Hessens die Köpfe sind, die das politische Profil des Landes oder gar des Bundes prägen halfen – der müßte, wäre er auch ein guter CDU-Mann, verlegen schweigen.

Denken in Jena...

Vorigen Sommer ging eine Greisin aus Thüringen, die Tochter und Enkelkinder in der Bundesrepublik besuchen wollte, über die "grüne Grenze".

Hailshams Hut-Trick

Blackpool war nicht Scarborough. Mußte der Labourführer Gaitskell beim Parteitag der Sozialisten seiner Gefolgschaft vor allem Mut und Selbstvertrauen einflößen, so ging das Bemühen des konservativen Parteivorsitzenden Lord Hailsham beim Konvent in Blackpool eher in die entgegengesetzte Richtung: Er mußte die politische Leidenschaft der Regierungsanhänger dämpfen und zu verhindern trachten, daß das Pferd über die Stränge schlug.

Die weiche Flanke der NATO

Wird der südöstliche Eckpfeiler der NATO zerbersten, wird Griechenland seine Mitgliedschaft im Atlantikpakt kündigen oder "einschlafen" lassen und ins Lager der neutralen Staaten überwechseln? Am Montag hat der griechische Außenminister Averoff sehr massive Warnungen an England gerichtet: das hellenische Königreich werde aus der atlantischen Front ausscheren, wenn London auf der Verwirklichung seines Siebenjahresplan für Zypern bestehe.

ZEITSPIEGEL

Heiraten ist Glückssache – dies jedenfalls ist die Erfahrung, die der Italiener Sergio Attilo Lopez gemacht hat, als er, sich nach kurzem Briefwechsel und dem Augenschein einer Photographie mit einer Brasilianerin ferntrauen ließ.

Wiedersehen mit Ostpreußen

Um 7.45 Uhr fuhr der Personenzug von Warschau nach Deutsch-Eylau ab, und um 11.30 Uhr passierten wir Thorn und die Weichsel: Die Heimat rückte näher.

Der Vatikan ersann ein einzigartiges Verfahren

Auch für den nur an weltlicher Politik Interessierten ist das Verfahren der Papstwahl eine wahre Fundgrube tiefgründiger juristischer Überlegungen und historischer Erfahrungen.

Boris Pasternak – Rußlands großer Dichter

Die Mitglieder der Königlichen Akademie in Stockholm stehen vor einer schweren Entscheidung. Sollen sie es wagen, den Nobelpreis für Literatur einem Manne zu verleihen, von dem sie nicht einmal wissen, ob er ihn annehmen wird – einem Manne, der vielleicht selbst nicht weiß, ob er den Preis annehmen darf? Der Nobelpreis-Kandidat lebt 40 Kilometer von Moskau in einem hölzernen Sommerhaus.

Amerikas geteilte Schulbänke

Fünf Wochen nach dem Beginn des Schuljahres stehen vier Oberschulen im amerikanischen Bundesstaat Arkansas und neun Oberschulen in Virginia noch immer leer.

Der Kolonial-Herzog

Im alten Schloß von Eutin, in dem ihm sein Neffe, der Erbgroßherzog von Oldenburg, im Jahre 1945 ein bescheidenes Flüchtlingsquartier einräumte (über vierhundert Vertriebene waren bereits dort untergebracht), feierte am vergangenen Wochenende Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg seinen 85.

Zentrale Berlin-Adlershof

Das Straßenbild der Städte in Mitteldeutschland wird mehr und mehr beherrscht von einer für die Sowjetzone noch ziemlich neuartigen Erscheinung: Von Fernsehantennen.

Chinesische Parallelen

Der Generalissimus Tschiang Kai-schek ist nicht der erste, der auf der Insel Taiwan sitzt und den Anspruch erhebt, für und in ganz China gehört zu werden.

Was bedeutet uns Information?

In einem Roman von Dickens kommt es vor, daß ein Fragesteller fürchtet, seine Fragen könnten als peinliches Eindringen in die persönlichen Sphären des Glaubens und Meinens empfunden werden, weswegen er ihnen, mildernd und halb im Scherz, anfügt: I ask only for Information.

Die Fürsten der offenen Hand

Ökonomisch gesehen ist alle Kunst ein parasitärer Luxus. Sie hat noch niemals aus eigener Kraft existieren können, da das Gesetz von Angebot und Nachfrage insofern zu ihren Ungunsten entscheidet, als sie keiner allgemein-wirksamen Lebensnotwendigkeit und keinem allgemein-wirksamen Bedürfnis entspringt.

ZEITMOSAIK

Die betrübliche Feststellung, daß von mehreren tausend Teilnehmern an einem Rätselwettbewerb nicht ein einziger eine völlig richtige Lösung eingeschickt habe, mußte die polnische Frauenzeitschrift Kobieta i Zycie (Frau und Welt) machen.

Robert Musil

Wir sind zwar, wie kaum ein anderes Volk, schnell bei der Hand, von Tragik oder Schicksal zu reden, wenn die Vergangenheit uns ein paar Rätsel hinterläßt, mit denen wir nicht fertig werden.

Dreigeteilte Spielereien

In einem anderen Triptychon erscheint Goepfert dagegen als kühnster Radikalist und Neuerer. Während in der langen Geschichte des Triptychons die drei Teile doch immer in einem festgefügten Materialzusammenhang standen (die beiden Flügel waren durch zumeist senkrechte Scharniere mit dem Mittelteil verbunden und in diesen beweglich) – so zerschneidet Goepfert dieses Triptychon in drei körperlich selbständige, freilich dennoch als zusammengehörig proklamierte Teile.

Ein vorbildliches Hörspiel

Ingeborg Bachmann ist eines der erstaunlichsten literarischen Phänomene der Nachkriegszeit. Mit einem einzigen Gedichtband, Die gestundete Zeit (1953), hat diese Österreicherin sich an die Spitze der jungen deutschen Lyrik gestellt; ein zweiter Band, Anrufung des Großen Bären, folgte drei Jahre später.

Phantastisches Reich der Zahlen

Es ist wie immer: ein stattlicher Band – und dabei doch, mit 538 Seiten Hauptteil plus 176 Seiten mit Internationalen Übersichten, nicht gerechnet Vorbemerkungen, Quellennachweis und Index – diesmal etwas dünner als im Vorjahre – trotz der Hereinnahme neuer Sachgebiete und neuester Erhebungen (etwa Wohnungsstatistik 1956/57, Handwerkszählung 1956, erweiterte Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung).

Totgesagte Romane leben

Wenige Tage vor der Liquidierung der tschechoslowakischen Republik hat Max Brod seine Heimatstadt Prag verlassen. Als Dramaturg der Habimah ist er einer der kulturellen Pioniere des jungen Staates seiner neuen Heimat Israel geworden.

Moskau

Nach dem ersten Weltkrieg war bei uns die russische Literatur groß in Mode. Klassiker wie Puschkin, Gogol, Lermontow, gar nicht zu reden von Tolstoj und Dostojewski, gehörten zum selbstverständlichen geistigen Fundus, besonders der deutschen Jugend.

Kleine Geschenke...

Eine Frau hatte in einem Juweliergeschäft drei Ringe gestohlen. Einen davon bot sie in trauter Dämmerstunde ihrem Freund Franz zum Geschenk an.

Hamburg: Das Mädchen Veronika

Veronika ist siebzehn. Sie ist hübsch mitihren schwarzen Haaren und ihren grünen Augen. Aber sie möchte lieber blond sein, weil sich die Leute wegen ihrer schwarzen Haare umdrehen.

Was man muß und was man darf

Diesem Dialog zwischen dem Dorfrichter Adam und Frau Marthe Rull aus Kleists "Der zerbrochene Krug" ist vergleichbar, was sich jüngst zwischen einem Bundesbürger und einem Polizisten abspielte.

Empfohlene Preise...

Der neu konstituierte Kartellsenat des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe hat sein erstes Machtwort gesprochen. Das Urteil in der Sache 4711 gegen Farina wurde mit einiger Spannung erwartet – aber der hier und dort erwartete Donnerschlag ist ausgeblieben.

Deutsches Kapital für Auslandsreeder

Seit einigen Wochen haben die deutschen Schiffshypothekenbanken damit begonnen, auch ausländische Schiffsbauaufträge – die auf deutschen Werften durchgeführt werden – zu finanzieren.

Der "kleine Mann" erobert Amerikas Börsen

Die Entwicklung der amerikanischen Börse hat seit Oktober letzten Jahres einen recht ungewöhnlichen, von den meisten Börsenfachleuten auch nicht erwarteten Verlauf genommen.

Gegen die Konzentration

Auf dem Deutschen Bankiertag, der in der vergangenen Woche in Köln stattfand (vgl. unseren Bericht Seite 13 "Europäische Zentralbank – vorläufig noch Utopie"), hat Bundeskanzler Adenauer erneut vor einer weiteren Konzentration in der deutschen Wirtschaft gewarnt.

Mäßigen Sie sich Herr Manager

Der Managertod schlug in den letzten Wochen erbarmungslos Lücken. Mit Beklemmung durchblättert man morgens die Zeitung; denn immer wieder stehen sie da: die großen, schwarzumrandeten Todesanzeigen mit den Nachrufen, in welch jungen Jahren dieser oder jener Wirtschaftsführer aus seinem Schaffenseifer herausgerissen wurde.

Wachstum im Schatten der Inflation

Kaum hatte sich Baden-Baden wieder vom benzindunstgeschwängerten Kurort westdeutscher Wirtschaftswunderkinder in eine liebliche Schwarzwaldstadt verwandelt, als es letzte Woche schon wieder durch einen Schwarm geschäftiger Menschen aus der Beschaulichkeit der herbstlichen Nachsaison aufgeschreckt wurde.

+ Weitere Artikel anzeigen