D. K., Karlsruhe

Eine Frau hatte in einem Juweliergeschäft drei Ringe gestohlen. Einen davon bot sie in trauter Dämmerstunde ihrem Freund Franz zum Geschenk an. "Nein, danke", sagte Franz, "ich will ihn nicht haben. Ich trage grundsätzlich keinen Schmuck." Franz hatte Grundsätze.

Franzens Freundin aber schätzte das gar nicht. Sie wollte den Grund für seine Weigerung nicht gelten lassen. Sie argwöhnte, daß er mit ihr nicht "ringverlobt" sein wolle oder daß er die Art, wie sie den Ring erworben hatte, kritisiere. Sie wurde sehr böse, und Franz glaubte, sie werde jetzt gleich die Tür hinter sich zu werfen und mit eiligen Absätzen die Treppen hinuntertrippeln. Soweit wollte er es nicht kommen lassen. Er hatte sich die Nacht anders vorgestellt. Er nahm den Ring, und alles war gut.

Aber leider kam Franz wegen Hehlerei vor Gericht. Und weil er dort genau berichtete, was ihm entgangen wäre, hätte er den Ring nicht angenommen, und weil er glaubhaft machen konnte, daß außer dem Besitz des Ringes, auf den er gar keinen Wert legte, ihm nicht der geringste Vorteil erwachsen war, wurde sein Fall sehr kompliziert für die Richter. Und darum mußte sich schließlich sogar der Bundesgerichtshof mit der Sache befassen. Er hat jetzt ein grundsätzliches Urteil gesprochen.

Hehler im Sinne des Paragraphen 259 des Strafgesetzbuches ist, wer seines Vorteils wegen eine Sache, von der er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß sie mittels einer strafbaren Handlung erlangt ist, an sich bringt. Hehlerei wird mit Gefängnis bestraft.

Hatte nun Franz einen Vorteil dadurch gehabt, daß er den Ring nahm?

"Beweggrund des Hehlers", sagte das Gericht, "muß das Bestreben sein, seine Lebensverhältnisse auf irgendeine Weise günstig zu beeinflussen, sei es auch nur, um einen mittelbaren Nutzen zu erlangen. Daß es sich um einen Vermögensvorteil handelt, ist nicht erforderlich. Auch vorübergehende Genüsse stellen einen Vorteil dar. Dieses Streben nach Vorteil muß der bestimmende, wenn auch nicht der einzige Beweggrund des Hehlers sein. Der Erwerb der durch eine strafbare Handlung erlangten Sache selbst muß nach der Vorstellung des Täters unmittelbar oder mittelbar jenen günstigen Einfluß auf seine Lebensverhältnisse haben."