Der Managertod schlug in den letzten Wochen erbarmungslos Lücken. Mit Beklemmung durchblättert man morgens die Zeitung; denn immer wieder stehen sie da: die großen, schwarzumrandeten Todesanzeigen mit den Nachrufen, in welch jungen Jahren dieser oder jener Wirtschaftsführer aus seinem Schaffenseifer herausgerissen wurde. In dem verzweifelten Kampf mit dem heimtückischen Managertod scheint der Mensch der hoffnungslos Unterlegene zu sein.

Wie ein Ringen zwischen David und Goliath mutet deshalb eine Notiz aus München an, das Kuratorium „Freies Wochenende“ habe nach Abstimmung mit Parteien, Organisationen, Verbänden und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens einen „Sperrkalender“ für 1959 aufgestellt, wonach auch im kommenden Jahr jeweils das letzte Wochenende jedes Monats frei von Tagungen und Veranstaltungen sein soll.

In der Tat wäre dieses eine Wochenende schon ein großer Gewinn; denn alljährlich ergießt sich eine wahre Welle von Jubiläen, Feierstunden, Jahresversammlungen, Delegiertenkonferenzen, Arbeitstagungen, Festwochen und vielem mehr über Westdeutschland. Bundespräsident Theodor Heuss sprach zu Recht das Wort von der Kongreßwüt\igkeit des deutschen Volkes.

Tagungen und Kongresse sind erforderlich. Nur sollte man maßhalten. Nicht jede Veranstaltung rechtfertigt heute den Aufwand an Zeit, Strapazen – und als mögliche Folge davon sogar den Tod eines prominenten Politikers oder Wirtschaftsführers. Die Kurve der Kreislaufstörungen zeigt steil nach oben. Trotzdem werden Tagungen und Jubiläumsfeiern nicht aussterben. Weder heute noch morgen. Was man tun kann, ist sich beschränken, und zwar auf eine geringe Zahl von Veranstaltungen, auf wenige „Festredner“ und auf kurze Ansprachen und Referate. Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Und deshalb wird auch der Gedanke des Kuratoriums „Freies Wochenende“, alle Feiern mit Ausnahme der religiösen vom Sonntag zu verbannen, vorerst nur ein – frommer – Wunsch bleiben. W. S.