Die Kommunisierung in China ist fast beendet – Leben nach der Norm

Von Wolfgang Leonhard

Die große Umgestaltung, die im Reich der Mitte (siehe DIE ZEIT Nr. 39) vor sich geht, nimmt gigantische Formen an. In wenigen Monaten wurden 112 Millionen Bauernhöfe, das sind 90 Prozent der chinesischen Landbevölkerung, in die neugeschaffenen Volkskommunen eingegliedert, die nicht mit Kolchosen zu verwechseln sind, sondern die eine ganz neue wirtschaftspolitische Organisationsform bilden. Jede Volkskommune umfaßt durchschnittlich 40 000 Menschen, die in der Landwirtschaft, in Handel, Industrie oder Volksbildung beschäftigt sind. Ein Prozeß, der auf Jahre geplant war, ist in wenigen Monaten fast abgeschlossen worden. Wie die Wirklichkeit aussieht, die sich hinter diesen Zahlen verbirgt, kann nur ermessen, wer erfährt, wie der neue Alltag in einem Land aussieht, dessen rote Mandarine jahrtausendealte Vorstellungen von der Würde, Eigenart und Freiheit des einzelnen Menschen radikal beiseite geschoben haben. Der folgende Artikel bringt die erste Schilderung eines Alltags auf dem Dorf im heutigen China aus der Feder eines Sowjetrussen.

Die bisherigen Parolen: Das Jahr des großen Sprungs oder Arbeitet hart drei Jahre – um glücklich zu sein für tausend oder Lebt auf kollektive Art – sie sind inzwischen durch den nicht sehr einfallsreichen Ausspruch Maos "Die Volkskommunen sind gut" ergänzt worden. Diese Devise ist im ganzen Land auf Spruchbändern zu sehen.

Seit Mitte September werden auch die ersten "einschlägigen" Hymnen und Lieder durch den chinesischen Rundfunk übertragen. Die Volkskommunen werden dabei mit Blumen, mit dem Frühling oder dem Vogel Phönix verglichen, der sich aus der Asche der alten Gesellschaft erhebt. Hier einige Beispiele der neuen chinesischen Propaganda-Hymnen :

Die Volkskommunen sind das Paradies.

Arbeitskraft und Hilfsquellen gibt es mehr als im Himmel,